Notruf

Mayday-Ruf auf der Ostsee: Yacht mit Kindern droht zu sinken

Seenotretter holen sechs Menschen von sinkender Segelyacht.

Foto von Autor/Autorin: Sharone Treskow
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Symbolbild: Ein Kreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Retter mussten sechs Personen von einer Yacht vor Rügen befreien.

Symbolbild: Ein Kreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Retter mussten sechs Personen von einer Yacht vor Rügen befreien.

© Matthias Gränzdörfer/Imago

Diese Geschichte hätte ganz anders ausgehen können. Vor der Ostküste von Rügen hat die Besatzung eines Seenotrettungskreuzers am Mittwochabend, 19. August 2026, sechs Menschen von einer volllaufenden Segelyacht geholt. Darunter drei Kinder. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) blieben alle unverletzt.

Mayday-Ruf drei Seemeilen nördlich von Sassnitz

Der Notruf ging gegen 20.50 Uhr in der Bremer Rettungsleitstelle See ein, die die DGzRS betreibt. Das unter polnischer Flagge fahrende Boot setzte ein „Mayday“ ab – jenes Signal, mit dem auf See unmittelbare Lebensgefahr gemeldet wird.

Der Felsen am Kollicker Ufer im Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen. Hier sind die sechs Menschen im Wasser in Schwierigkeiten geraten.

Der Felsen am Kollicker Ufer im Nationalpark Jasmund auf der Insel Rügen. Hier sind die sechs Menschen im Wasser in Schwierigkeiten geraten.

© Joko/Imago

Zu verstehen war der Ruf zunächst kaum. Das Boot stand dicht unter der Steilküste des Nationalparks Jasmund, rund drei Seemeilen nördlich von Sassnitz, umgerechnet etwa 5,5 Kilometer. Die Kreidewand störte den Seefunk.

Das Wasser reichte den Menschen bis unters Knie

An Bord waren eine Familie mit drei Kindern und der Skipper. Nach mehreren Funkversuchen konnten sie ihre Lage schildern: In den Rumpf lief Seewasser, so viel, dass das Boot wegzusacken drohte. Warum, war am Donnerstagmorgen weiterhin offen.

Der in Sassnitz stationierte Seenotrettungskreuzer „Harro Koebke“ lief aus, die Segler kamen ihm entgegen – die Yacht war noch manövrierfähig. Nach etwa zehn Minuten trafen die Retter ein und gingen mit dem Tochterboot „Notarius“ längsseits. Zu diesem Zeitpunkt stand das Wasser den Menschen an Bord laut DGzRS bereits bis zu den Schienbeinen.

Drei Feuerwehren sicherten das Boot im Hafen

Die Seenotretter setzten eine leistungsstarke Lenzpumpe ein und bekamen so viel Wasser über Bord, dass sich die Lage nicht weiter zuspitzte. Die „Notarius“ nahm die Yacht dann auf den Haken und schleppte sie in den nahen Stadthafen von Sassnitz. Dort übernahmen die Feuerwehren aus Sassnitz, Sagard und Glowe die weitere Sicherung.

Der Stadthafen in Sassnitz auf Rügen. Drei Seemeilen weiter drohten die sechs Menschen, zu kentern.

Der Stadthafen in Sassnitz auf Rügen. Drei Seemeilen weiter drohten die sechs Menschen, zu kentern.

© Markus Beck/Imago

Begünstigt wurde der Einsatz vom Wetter: Zum Zeitpunkt des Notfalls wehte nach Angaben der Seenotretter nur schwacher Südwestwind, die See war ruhig. Bei Starkwind und hohem Seegang wäre die Bergung an der Steilküste deutlich schwieriger geworden.

Die DGzRS ist für den Such- und Rettungsdienst auf Nord- und Ostsee zuständig und finanziert sich ausschließlich aus Spenden, ohne staatliche Mittel. Rund 1000 Seenotretter rücken nach Angaben der Gesellschaft jedes Jahr etwa 2000 Mal aus – auch vor Rügen, wo im Sommer Hunderte Sportboote unterwegs sind.

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