Martin Rütter

Es war einmal ein Problemhund...

Wie der Tiertrainer und Comedian den kleinen Alex fit fürs Seniorenheim macht.

Stefanie Hildebrandt
Lesezeit 4 Min
Ein Auftrag für Martin Rütter: Hund Alex mit Besitzerin Margret Martinez (Mitte) und Hundetrainerin Doreen Hörchner. 

Ein Auftrag für Martin Rütter: Hund Alex mit Besitzerin Margret Martinez (Mitte) und Hundetrainerin Doreen Hörchner. 

© Thomas Uhlemann

Eine Auftrag für den Hundeprofi: Wir sind dabei, wenn Martin Rütter in Woltersdorf den Problemfall ALEX behandelt.

Eine Auftrag für den Hundeprofi: Wir sind dabei, wenn Martin Rütter in Woltersdorf den Problemfall ALEX behandelt.

© Thomas Uhlemann

„Intellektuell ist es eher Niveau Augsburger Puppenkiste“

Als Martin Rütter zum Alexa Seniorenheim in Woltersdorf kommt, wartet Alex mit seinem Frauchen, nicht anders herum, schon vor der Tür. Maggie ist aufgeregt. Doch Alex explodiert. Er hüpft hoch wie ein Flummi, umwickelt alle Umstehenden mit der Leine – und wird dafür ausgiebig gestreichelt und mit verzückten Rufen bedacht. Der Hundeflüsterer braucht nicht lange für eine erste Einschätzung. „Wie alt ist er denn?“, fragt Rütter gleich nach der Begrüßung. „Ein Jahr alt.“ Alles klar.

Alex ist aufgeregt, zieht an der Leine ...

Alex ist aufgeregt, zieht an der Leine ...

© Thomas Uhlemann

„Der ist gerade hormonell betrachtet nicht Fisch und nicht Fleisch“, erklärt Rütter. „Einerseits macht Alex einen auf dicke Hose und spielt den Mega-Max. Intellektuell ist es aber eher noch Niveau Augsburger Puppenkiste.“ Das sitzt. Im Gegensatz zum Trainee. Der zerrt schon wieder an der Leine.

Alex hat im Seniorenheim viele unterschiedliche Kontakte. Zu viele. Alle seine Betreuer müssen an einem Strang ziehen, wollen sie bei diesem Temperamentsbündel etwas reißen. Eigentlich ist Alex zu sensibel für den Job, den er hier im Seniorenheim machen soll. Jede Hand, die sich ihm entgegenstreckt, jede offene Tür ist für ihn eine Einladung, die er am liebsten mit Affenzahn annimmt.

...und wickelt sich diese um die Beine.

...und wickelt sich diese um die Beine.

© Thomas Uhlemann

Ideal für einen Einsatz als Therapiehund sind eher schlichtere Gemüter, weiß Martin Rütter. „Einer, der das Erdbeben erst merkt, wenn der Sack Futter schon in die Spalte gerutscht ist.“ Alex aber wittere schon lange vorher seine Chancen – und nutze sie. „Der kommt hier rein wie ein Kind ins Tobeland“, sagt Rütter. Hier – das ist in diesem Fall eine Runde von betagten Menschen, die eher auf gemächliches Fell streicheln und Apportier-Spiele aus sind.

Rütters Diagnose: Alex ist unterfordert.

Rütters Diagnose: Alex ist unterfordert.

© Thomas Uhlemann

Problematisch wird es, wenn etwas nicht nach seinem Kopf geht

Wenn Alex dann, um im Bild zu bleiben, nicht ins Bällebad darf, wird er sauer. Problematisch wird es, wenn etwas nicht nach seinem Kopf geht. Dann knurrt er schon einmal oder setzt – bisher noch freundlich – seine Zähne in Szene. „Hier müssen wir unbedingt etwas tun“, weiß Rütter.

Seine Trainingspartnerin Doreen Hörchner, die die Rütter-Trainings in Brandenburg übernimmt, beginnt schon mal. Sie testet aus, wie Alex reagiert. Stellt ihm, der sonst ungestüm überall hin darf, ein Bein in den Weg und provoziert sofort Unmut. „Alex steht auch so unter Strom, weil er hier viel zu wenig erlebt“, sagt Rütter. „Wir werden euch Wege zeigen, wie ihr ihn intellektuell und auch körperlich fordert.“ Es gebe Aufgaben, da sei auch ein Alex nach 45 Minuten platt. Perfekt für die Mittagspause. 

„Alex hat nämlich gelernt, dass er hier der Nabel der Welt ist, und das werden wir ändern“, kündigt Rütter an. In den nächsten Tagen wird es sehr langweilig für Alex im Alexa Seniorenheim werden. Für Frauchen Maggie steht ein hartes Stück Arbeit an. Doch noch haben sie eine gute Chance, aus Alex einen zufriedenen Helfer zu machen.

 „Es ist der Mensch, der ein bisschen Nachhilfe nötig hat“

Dabei arbeiten Martin Rütter und sein Team nach dem Dog Orientied Guiding System. Manchmal, nein, eigentlich immer ist es der Mensch, der ein bisschen Nachhilfe nötig hat. Nicht umsonst heißen die Rütters Schulen „Hundeschulen für Menschen“.
Spielregeln bedeuten Sicherheit, weiß Martin Rütter, der zuletzt mit einer Beichte über seine Gesundheit Schlagzeilen machte.

Er litt am Broken-Heart-Syndrom, einer Erkrankung des Herzmuskels. Die Ärzte sagten ihm, als er in der Klinik landetet, dass sie nur noch drei Minuten hätten, um ihn zu retten. Er habe Schmerzen gehabt, als wenn Rainer Calmund Bungeejumping auf seinem Oberkörper gemacht hätte, erinnert er sich.

Grund für das Herzproblem, das normalerweise nach emotionalem Schock auftritt: Er habe sich nicht auf eine Sache fokussieren können, immer alles gleichzeitig gemacht, sagt Rütter und sucht dabei in seinem Telefon nach einer Nummer, die er noch weitergeben will. Er hätte daraus gelernt, sagt er grinsend.

Aufräumen mit dem Mythos des Problemvierbeiners

Wer das live überprüfen will, kann das bei einer seiner Live-Shows tun. Derzeit ist Martin Rütter mit dem Programm „Freispruch“ unterwegs. Am 15. Februar gibt es in der Berliner Mercedes-Benz-Arena einen Zusatztermin. In dem Programm ist Rütter im Auftrag der Hunde und zur Aufklärung ihrer Menschen unterwegs und räumt mit dem Mythos des notorischen Problemvierbeiners auf: Schuld ist nie der Hund. Wenn das Alex wüsste …

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