Horror im Feierabend-Verkehr: Ein IT-Fachmann (27) bittet in einer U-Bahn der Linie 5 um Ruhe. Kurz darauf geht der Ruhestörer mit einem Steakmesser auf ihn los. Sechs Monate später der Prozess gegen Messer-Mann Van T. (29).
Der Vietnamese war vor etwa vier Jahren über Russland, Polen und Frankreich nach Deutschland gekommen. Zuletzt ohne festen Wohnsitz, klaute in Drogerien und Supermärkten, nahm weichere und härtere Drogen. Am 13. September saß er in einer U-Bahn Richtung Hönow. Führte Selbstgespräche, redete laut, wirkte auch aggressiv.
Einige Fahrgäste wechselten den Platz, andere konnten den Ruhestörer ignorieren. Tobias H. (27), der nach der Arbeit im Fitness-Studio war und auf dem Heimweg lesen wollte, ermahnte ihn zur Ruhe. Er sprach ihn an. Mit eindeutiger Geste: Finger vor dem Mund.
Der IT-Fachmann: „Kurz war er ruhig, dann fing er wieder an.“ Wieder bat H: „Etwas leiser!“ Van T. aber hörte wohl wieder einmal innere Stimmen. Er redete vor sich hin. H. stand schließlich auf, rüttelte ihn kurz. Die Situation schien geklärt. H. setzte sich, las weiter.
„Fahrgäste schrien, er stand mit einem Küchenmesser vor mir“
Etwa eine Minute verging. Dann blitzte eine Klinge auf. Der IT-Fachmann: „Fahrgäste schrien, er stand mit einem Küchenmesser vor mir, stach zu.“ Immer wieder habe der Mann ausgeholt. Er traf fünf Mal. Wunden im Bauchbereich, in der linken Achselhöhle, Stiche in die Beine. Tobias H.: „Ich war geschockt. Die meisten Stiche konnte ich abblocken. Es war ein Todeskampf. Ich konnte ihn dann wegtreten.“
Wie durch ein Wunder seien innere Organe nicht verletzt worden. Andere Fahrgäste griffen nicht ein. H.: „Alle waren wie in Schockstarre.“ Eine Zeugin (31): „Keiner machte etwas - wohl aus Angst.“ Eine Angestellte (57), die ebenfalls lesend in der Bahn saß: „Nicht zu fassen – wie schnell so etwas eskaliert.“
Ihr fiel es danach schwer, mit der Bahn zu fahren. Van T. verschwand, als sich die Türen um 18.59 Uhr am Bahnhof Wuhletal öffneten. Drei Tage später wurde er gefasst – Aufnahmen von Überwachungskameras führten auf die Spur des bei der Polizei bekannten Mannes. Er befindet sich seit seiner Verhaftung im sogenannten Maßregelvollzug.
Verteidiger spricht von psychischer Krankheit des Mannes
Der Verteidiger nun: „Er gibt die Messerstiche zu. Ihm ist inzwischen bewusst, dass er psychisch krank ist.“ Van T. zu seinem Opfer: „Verzeihen Sie mir und finden Sie gute Worte hier vor Gericht, damit ich milder bestraft werde. Ich habe das nicht gewollt.“ Opfer H. nahm die Entschuldigung an. Und schätzte ein: Er habe mit dem kurzen Rütteln „in der Situation vielleicht nicht optimal reagiert“.
Messer-Mann T. wurde in einem früheren Prozess um Klau-Touren als schuldunfähig eingeschätzt, bekam deshalb Freispruch. Nun strebt die Staatsanwaltschaft im Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung seine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie an. ■
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