Für viele Eltern fühlt es sich wie ein Lottogewinn an, wenn sie ihr Kind gut untergebracht haben. Denn trotz Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ist die Suche oft eine Qual. Sonst gäbe es nicht die Väter, die der Wunsch-Kita mit Bestechungsgeld auf die Sprünge helfen wollen. Oder Mütter, die mit frischer Kaiserschnittnarbe vorstellig werden. Fakt ist: Für 198.642 Berliner Kids im Krippen- und Kita-Alter (1 bis 6 Jahre) gibt’s nur 162.631 Plätze.
Davon werden nach einer neuen Senats-Statistik derzeit nur 151.649 angeboten, etwa wegen Umbauten oder Erziehermangel. Wer einen Kitaplatz in Berlin sucht, muss erst einen Kita-Gutschein beantragen. 2015 wurden 31.845Gutscheine ausgegeben.Aber erst in 22.765 Fällen kam es auch zu einem Betreuungsvertrag.
Daraus schließt die Grünen-Politikerin Marianne Burkert-Eulitz (43), dass Eltern in rund 9000 Fällen noch einen Kita-Platz suchen (Stand: 20. Juli). Das Grundproblem liegt aber weniger darin, dass es zu wenig Plätze gibt. Denn laut Bedarfs-Atlas des Senats können zumindest bei den Drei- bis Fünfjährigen 94 Prozent betreut werden. Aber: Die Angebote sind ungünstig verteilt. Vor allem der Osten Berlins braucht mehr Kitaplätze.
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Konkret: In Marzahn-Hellersdorf kommen 11.173 angebotene Plätze auf 15.622 Kinder (1 bis 6 Jahre). Der Ost-Bezirk führt die Kiez-Liste mit dem drängendsten errechneten Mehrbedarf vor Neukölln, Pankow und Mitte an. Das ist nicht als abschätziges Urteil über diese Bezirke zu verstehen: Zuzüge und mehr Geburten sprechen auch für Attraktivität.
Zu welchen Absurditäten die ungünstige Verteilung aber bei der Kita-Suche führt, schildert eine Mutter (37) dem KURIER: „Als ich für meinen Sohn in Prenzlauer Berg suchte, schickte man mich nach Treptow. Am Ende fand ich einen Platz in Mitte.“
Das kennen viele Eltern: Sie wünschen sich eine Kita mit Bio-Essen, Schwimmunterricht und vielen Ausflügen – und geben sich nach einer langen Odyssee mit jedem Platz zufrieden. Obwohl die Kita weitab von Heimat-Kiez und Arbeitsweg liegt.
Eine große Hürde bei alldem ist die schwierige Informations-Beschaffung: Die offizielle Kita-Börse auf dem Hauptstadt-Portal www.berlin.de steht im Ruf, mies gepflegt zu werden. Immerhin: Die Datenbank „Kindertagesstätten in Berlin“ weist freie Plätze nach Bezirken aus – auch wenn es derzeit nur 514 sind. So sind für Pankow 186 freie Plätze registriert, für Charlottenburg-Wilmersdorf 92. Fehlanzeige dagegen in Marzahn-Hellersdorf und in Lichtenberg.
Politikerin Burkert-Eulitz fordert neben mehr Kitaplätzen vor allem mehr Erzieher für bessere Betreuung. Der Senat will 17.000 neue Kitaplätze in den nächsten vier Jahren schaffen. Von 2008 bis 2015 waren es schon 23.500.
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