In einer Halle schienen Müllers Augen aber besonders zu funkeln – der Berlin-Halle. Kein Wunder. Schließlich gab's hier neben Leckerem aus der Hauptstadt sogar eine Weltpremiere.
Tom Inden-Lohmar ist sonst um keinen flotten Spruch verlegen. Mit seiner offenen Art rettete er die fast in der Versenkung verschwundene Ur-Berliner Spirituosen-Marke „Mampe“ vor der Pleite. Nun rief ihm Michael Müller, das Stadtoberhaupt persönlich zu: „Gute Arbeit, was ihr macht, ist eine tolle Geschichte.“
Die Speisequark-Riegel von Michele Volynec (20) sind besonders kalorienarm.
© Bernd Friedel
Der Stolz schwellte Inden-Lohmar die Brust. Zur „Leistungsschau der Landwirtschafts- und Ernährungsbranche“, wie Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) die Grüne Woche nannte, hatte Inden-Lohmar drei Weltneuheiten mitgebracht.
Einen Elefant-Kümmel, einen Sauern mit Persico und einen Pfefferminz. Auf der Messe will er die drei Schnäpse vor allem von Berlinern testen lassen, danach gehen sie in die Produktion.
Müller hingegen ließ diesen Freitag die Finger vom Kreuzberger Feuerwasser. Auch den Pálinka, den ungarischen Obstbrand, und Südtiroler Wein lehnte er dankend ab. Verständlich, schließlich war es da noch nicht einmal 9 Uhr.
Karolina Stich aus Lichtenberg mit einem kleinen Löffelchen ihres DDR-Softeises.
© Bernd Friedel
Stattdessen gab es Apfelsaft und einen Schluck Bio-Fruchtbuttermilch. Und eine ordentliche Packung Streicheleinheiten für Jagdhündin Alegra. Während die mit weichem Fell und Schmusen um Müllers Aufmerksamkeit buhlte (und bekam), lockten Berliner auf zwei Beinen mit ihren Köstlichkeiten. Denn so „Hauptstadt“ war die Grüne Woche noch nie.
An der East Side Gallery ist Karolina Stich mit ihrem Vanille-Schoko-Waffeln und dem Arbeitsdress im Stil der Jungen Pioniere schon eine Touristen-Attraktion. Jetzt läuft es immer besser für die 28-Jährige. Wie der KURIER erfuhr, nimmt ihr Softeis à la DDR nun bald eine große Supermarktkette ins Programm. Auf der „Grünen Woche“ kostet eines 2,50 Euro.
In den Einzelhandel möchte Stefan Kels nicht gehen. Eigentlich ist er Architekt, seit 2011 „bastelt“ er in seiner Konditorenstube im Nikolaiviertel unter anderem Cupcakes, also Mini-Törtchen. Eines kostet 1,75 Euro, am besten geht auf der Messe die Variante „Schoko-Kirsch mit Kirschwasser“ im Bonsai-Format.
Üveys Gökmen (27, li.) und Adam Mikusch (36) stellen Senfsoßen in Lichtenberg her.
© Bernd Friedel
Ebenso Kleines verkauft Katrin Öner (26) von der Kreuzberger Kräuterbonbonmanufaktur „Oma Klärchen’s“. Die wurde bereits 1988 von Heiko Ruhf (hilft „nebenbei“ in Katastrophengebieten wie Haiti) gegründet, eine Tüte seiner mehr als 50 Geschmacksrichtungen kostet 2,90 Euro. Derzeit sind die „Brustkaramelle“ Anis und Salbei besonders angesagt.
Drei ebenso erfolgreiche Berliner Produkte stehen nebenan. Christian Schulze zapft „Schoppe Bräu“ aus dem Prenzlauer Berg (ein Kleines für vier Euro), Michele Volynec (20) verteilt Spandauer „Quarki“ für 0,60 Cent pro Riegel und Adam Mikusch (36) und Üveys Gökmen vertreiben ihre „Berliner Senfsaucen“. Eine handgemachte Flasche (wird in Lichtenberg ganz ohne Konservierungsstoffe hergestellt) kostet vier Euro.
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