Jede Frau, die den Film „Magic Mike“ gesehen hat, weiß es. Hauptdarsteller Channing Tatum (39) ist eine echte Sahneschnitte. Seine Rolle als muskulöser Stripper brachte ihm den Titel „Sexiest Man Alive 2012“ ein. Jetzt ahnt man schon, wo es in der neuen Show „Magic Mike Live“ langgeht, die am 26. November in Berlin startet – zwar nicht mit Channing Tatum in der Hauptrolle, aber als Regisseur und Premierengast. Für die Produktion, die schon in Las Vegas und London lief, wird gerade der ehemalige Club Adagio am Potsdamer Platz komplett umgebaut. Muskelbepackte Bauarbeiter schuften, wo in vier Monaten muskelbepackte Oben-ohne-Tänzer schwitzen sollen. In 6000 Arbeitsstunden haben sie das alte Club-Inventar bis auf den nackten Putz entfernt. Wo Adagio war, soll „Magic Mike Live“ werden.
Bei „Magic Mike Live“ sind vor allem Mädelsabende Zielgruppe
Der Boss auf der Baustelle ist Architekt Thomas Karsten (53), der schon den Innenraum des Techno-Clubs Berghain gestaltete. Zusammen mit Michael Hildebrandt (53), dem Gesamtverantwortlichen des Projekts, führt er die KURIER-Reporter herum. Wasser tropft von der Decke, überall hängen Strippen, am Boden liegen Stahlteile. „Wir müssen im September soweit sein, dass die Produktionstechnik einziehen kann“, sagt Architekt Karsten. Am 21. Oktober kommen die Tänzer zur ersten Bühnenprobe – ein ehrgeiziger Zeitplan.
Auf seinem Laptop hat Geschäftsführer Hildebrandt eine Computer-Simulation. Sie zeigt, wie der Saal einmal aussehen soll. „Es gibt keine klassische Trennung von Bühne und Publikum“, sagt Hildebrandt. Die erhöhte Tanzfläche ist mitten im Saal, die Darsteller sollen auch auf den Tischen der Zuschauer tanzen und an Seilen über ihren Köpfen schweben. 400 der 600 Sitzplätze werden ebenerdig, weitere 200 auf einer Empore untergebracht sein. „Die Zuschauer können beim Ticket-Kauf auswählen, ob sie auf Caféstühlen oder beispielsweise auf einem langen Sofa mit elf Plätzen sitzen wollen“, sagt Hildebrandt. Letzteres sei doch ideal für einen Mädelsabend mit dem wilden „Magic Mike“.
Michael Hildebrandt (l.) und Architekt Thomas Karsten auf der Baustelle.
© camcop media / Andreas Klug
Mädelsabend – dieses Wort fällt immer wieder. Die Show sei eher nicht für den Durchschnittsmann gemacht, sondern für Freundinnen, die mal einen Abend unter sich sein wollen. „Weil es ums Wohlfühlen geht, ist ,Magic Mike’ keine schmuddelige Strip-Show, sondern eine Dance-Show“, betont Hildebrandt. Fast alle wichtigen Positionen bei der Produktion – Choreographie, Szenenbild, Kostümdesign – seien von Frauen besetzt. Auch inhaltlich entferne sich die Bühnenshow vom Filmvorbild „Magic Mike“ und dessen Nachfolger „Magic Mike XXL“, in denen es durchaus auch um Nacktheit, schnellen Sex und Party-Drogen ging.
„Magic Mike Live“ denkt über Songs mit Berlin-Bezug im Programm nach
Gleichwohl muss bei den 15 Showtänzern jeder Bauchmuskel gestählt sein, jeder Schritt pure Männlichkeit ausstrahlen. „Wir haben jetzt etwa 90 Prozent des Tanz-Teams zusammen“, sagt Hildebrandt. Aber die letzte Entscheidung über die Besetzung fälle Channing Tatum persönlich. Der Amerikaner schaue sich die in Berlin vorgesiebten Kandidaten daheim auf Videomitschnitten an.
Noch geheim müsse die bereits getroffene Wahl der weiblichen Hauptdarstellerin bleiben. „Verraten darf ich, dass sie als Stand-up-Comedian durch den Abend führen wird“, sagt Michael Hildebrandt. Sie sei aber mehr als eine Moderatorin: Die Story sieht vor, dass sie einen Kellner – den Hauptdarsteller – kennenlernt und ihm beibringt, was Frauen gefällt. Wie verhält sich ein charmanter Mann? Was ist das richtige Maß von Nähe und Abstand? Warum ist es schön, wenn ein Mann singen kann oder ein Instrument spielt? „Um all das auf der Bühne darstellen zu können, müssen einige Tänzer zugleich Musiker oder auch Akrobaten sein“, sagt Hildebrandt.
Die Grafik zeigt, wie der Show-Saal nach dem Umbau aussehen soll.
© Rachel O'Toole
Noch gebrütet wird über der Frage, ob man die Musikauswahl der Shows in Las Vegas und London ändern und um Songs mit Berlin-Bezug ergänzen sollte. Noch unklar ist auch, wie man die Idee, dass jeder Publikumsplatz eine Handtaschen-Aufhängung bekommt, technisch umsetzen will. Fest steht aber, dass den 600 Gästen pro Vorstellung sechs Bars zur Verfügung stehen werden, damit niemand auf dem Trockenen sitzt. Hildebrandt: „Auf die erste Bar trifft man im neugestalteten Foyer. Die Leute sollen sich dort ruhig erst mal eine Stunde entspannt aufhalten.“
Und wer bei der Ankunft am Sitzplatz schon beschwipst ist, der muss sich keine Sorgen machen: Besondere Stoffe auf den Stühlen und Sofas verhindern, dass einem der Rock peinlich ver- oder hochrutschen kann.
Eintrittskarten für „Magic Mike Live“ können schon jetzt im Netz (www.magicmikeberlin.de) bestellt werden. Die günstigsten Tickets für die 90-minütige Show kosten 54,90 Euro. Gespielt wird immer dienstags bis sonntags um 19.30 Uhr, zusätzlich freitags und sonnabends um 22 Uhr. Die Vorpremieren beginnen am 16. November.
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