Rotlicht-Treffpunkt

Sexkaufhaus LSD im Kurfürstenkiez soll abgerissen werden

Die Rotlichtszene im Kurfürstenkiez in Schöneberg verliert Treffpunkt.

Annika Leister
Lesezeit 4 Min
Werbung in Signalfarbe: Der Schriftzug „LSD“ steht für „Love, Sex and Dreams“. 

Werbung in Signalfarbe: Der Schriftzug „LSD“ steht für „Love, Sex and Dreams“. 

© imago

Doch damit soll bald Schluss sein: Der Investor SPG & Co. Berlin Projekt-entwicklungsgesellschaft hat das Grundstück gekauft, ebenso wie das gegenüberliegende Grundstück des Kaufhauses Woolworth – und plant, die Gebäude abzureißen und neue Bauten zu errichten. Das bestätigte Till-Oliver Kalähne, Geschäftsführer von SPG, am Donnerstag dem KURIER.

Die Neubauten sollen an Gewerbe vermietet werden, Wohnungen sollen nicht entstehen. Man wolle der Stadt aber „etwas zurückgeben“ und biete an, auf zwei Etagen mietfrei Platz für ein Museum bereitzustellen. „Wir wollen ein neues Flair reinbringen und hoffen, das Stadtbild positiv zu prägen“, sagte Kalähne. „Und wir bemühen uns dabei, niemanden zu verdrängen.“

Sexkaufhaus LSD wird schließen müssen

Noch befindet sich der Investor in der Planungsphase, zu konkret will Kalähne deswegen noch nicht werden. Fest steht aber: Das Sexkaufhaus LSD wird schließen müssen. Verschwinden wird auch eine Dönerbude an der Ecke, deren Besitzer wohl nicht bleiben wollten, so Kalähne. Der Woolworth aber soll erhalten bleiben und ins Erdgeschoss des geplanten Neubaus auf dem gegenüberliegenden LSD-Gelände ziehen. Ein Dax-Unternehmen habe bereits Interesse angekündigt, sich einzumieten. Weitere hochkarätige Mieter sollen folgen.

Der Kurfürstenkiez befindet sich gerade mitten im Umbruch: Alle paar Meter wird hier an einem neuen Großbauprojekt gezimmert, es entstehen vor allem neue Komplexe für Luxus-Appartements und Bürogebäude für Dax-Unternehmen und Elektronikkonzerne wie Sony. Auf den Bürgersteigen rund um die Kurfürstenstraße sieht man aber noch häufiger die Berufsgruppe, die schon seit Jahrzehnten hier arbeitet: Prostituierte.

Das LSD-Gelände hat Kalähne Anfang 2018 gekauft, das Woolworth-Gelände im Herbst 2018. So sehr er mit seinen Neubauten keine Gewerbe verdrängen mag – beim Rotlichtviertel hofft er darauf. „Ich vermute, dass es danach mit dem Straßenstrich zu Ende sein wird“, so Kalähne. Und: „Ich bin froh, wenn wir da was verändern können.“
Angelika Schöttler (SPD), Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg, glaubt nicht daran.

Ende der Straßenprostitution ist für Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler noch lange nicht in Sicht

Sie freut sich zwar über die Nachricht über die Pläne des Investors: „Schön zu hören, dass sich da was tut“, sagte sie dem KURIER. Das LSD sei in seiner jetzigen Form zwar „unproblematisch“ gewesen. „Aber da steckt viel Entwicklungspotenzial drin, das nicht genutzt wurde.“ Doch das Ende der Straßenprostitution ist für Schöttler damit noch lange nicht in Sicht. „Der Straßenstrich ist seit Jahrzehnten da, ich gehe davon aus, dass er auch dort bleibt“, so Schöttler.

Die SPD-Bürgermeisterin hat bereits Kämpfe gegen das LSD gefochten: Zum Beispiel 2008, als der Besitzer das Sexkaufhaus zu einem Großbordell mit Zimmern für 40 Prostituierte ausbauen wollte. Schöttler war damals Stadträtin für Familie, Jugend, Sport und Quartiersmanagement in Tempelhof-Schöneberg. Das Bezirksamt schob den Plänen einen Riegel vor – auch, weil Anwohner massive Bedenken geäußert hatten.

Beschwerden von Anwohnern im Berliner Rotlicht-Kiez

Für die Anwohner könnten Kalähnes Neubauten ein bereits bestehendes Problem sogar verschlimmern, glaubt Schöttler. Denn mit dem LSD wird den Prostituierten eine nahe gelegene, billige und populäre Möglichkeit geraubt, um mit Freiern Sex zu haben. „Das werden wir negativ merken“, so Schöttler.

Die Beschwerden von Anwohnern wegen auf offener Straße vollzogenem Sex haben sich laut Bezirksamt in den vergangenen Monaten bereits gemehrt. Auch das hängt mit dem regen Baubetrieb in der Gegend zusammen, vermutet Schöttler: Früher suchten sich Frauen und Freier häufig einen Platz auf Brachflächen – heute entstehen überall neue Gebäude, Freiflächen gibt es schlicht nicht mehr.

Schöttler hat deswegen Ende Juni Verrichtungsboxen ins Spiel gebracht: vom Bezirk aufgestellte Holzverschläge also, in denen Prostituierte abgeschirmt Sex haben können. Schöttler fühlt sich in ihrem Plan bestärkt: „Der Wegfall des LSD wird die Diskussion anfeuern.“

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