Locomore-Insolvenz

Was passiert jetzt mit den Spenden?

Der KURIER beantwortet die fünf wichtigsten Fragen.

Florian Thalmann
Lesezeit 3 Min
Der Berliner Fernzugbetreiber und Deutsche-Bahn-Konkurrent Locomore ist pleite. 

Der Berliner Fernzugbetreiber und Deutsche-Bahn-Konkurrent Locomore ist pleite. 

© dpa

1. Wie kam es zur Insolvenz?

„Leider konnten wir nicht alle Verbindlichkeiten bedienen“, heißt es in einer Erklärung. Zwar sei die Anzahl der Fahrgäste kontinuierlich gestiegen, genau wie die Einnahmen. „Aber nicht schnell genug, um vollständig kostendeckend zu arbeiten.“ Hinzu kommt: vor ein paar Tagen sprang ein Investor ab, dessen Hilfe die Insolvenz abwenden sollte.

2. Wie geht es für die Kunden weiter?

Unklar. Heute sollte die tägliche Zugverbindung zwischen Berlin und Stuttgart trotz Eröffnung des Insolvenzverfahrens wie geplant fahren, teilte Locomore auf der eigenen Website mit. Für die kommenden Tage wird Fahrgästen geraten, sich über die Website locomore.com über ihre Verbindung zu informieren. Der Verkauf für Online-Tickets wurde zeitweise unterbrochen. In Schutz genommen werden die Mitarbeiter. „Unser Zugpersonal trägt für unsere wirtschaftliche Situation keine Verantwortung. Die aktuelle Situation ist für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Locomore nicht einfach“, heißt es. „Bitte behandelt unser Zugpersonal fair und respektvoll.“

3. Bedeutet die Insolvenz das Aus für Locomore?

Nicht zwangsläufig. Bei Locomore gibt man sich optimistisch. „Wir glauben weiterhin daran, dass das Produkt Locomore eine Bereicherung für den Fernverkehrsmarkt darstellt und hoffen, dass es uns gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter gelingt, Perspektiven zur Fortführung des Locomore-Zugverkehrs zu entwickeln“, heißt es. Findet sich ein Investor, könnte das Projekt eventuell fortgesetzt werden.

4. Was passiert mit dem Geld der Investoren?

Auch das ist unklar. Das Projekt finanzierte sich seinerzeit mit Hilfe von Spenden vieler privater Unterstützer. Über Darlehen und andere Zahlungen kamen bis März knapp 930.000 Euro in die Kasse. Allerdings warnte Locomore potentielle Investoren, dass es Risiken gibt. Anleger haben in solchen Fällen oft das Nachsehen. Bei Unternehmen geht es häufig um „Start-Ups ohne bewährtes Geschäftsmodell“, sagte Volker Schmidtke von der Verbraucherzentrale Berlin in einem Interview. In solchen Fällen ist das Risiko einer Insolvenz sowieso groß, Spender riskieren den Verlust ihres Geldes. „Kann ich es mir leisten, die eingesetzten Gelder vollständig zu verlieren?“ – diese Frage sollten sich Investoren immer stellen.

5. Bringt Crowdfunding keinen Erfolg?

Doch. Viele andere Startups zeigten, dass es durchaus möglich ist, Unternehmensideen mit Spendengeldern zu finanzieren. Erfolg hatte damit beispielsweise die Firma „Bonaverde“ – für eine neuartige Kaffeemaschine sammelten die Macher etwa 500.000 Euro. Die Berliner Schnaps-Firma „Mampe“ finanzierte per Crowdfunding große Teile ihrer neuen Niederlassung in Kreuzberg. Allerdings gibt es auch viele gescheiterte Projekte. Erst im Januar meldete der E-Bike-Bauer Freygeist Insolvenz an, obwohl das Unternehmen zuvor satte 1,5 Millionen Euro über die Plattform „Companisto“ eingesammelt hatte. Dann ging der Firma das Geld aus. Im Netz werden gescheiterte Kampagnen von „Kickstarter“ beispielsweise auf der Website www.kickended.com gesammelt.

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