Er ist nicht der erste Politiker, dem solche Eskapaden passieren. Er ging aber besonders reumütig in die Offensive: „Nach einer emotional aufwühlenden Reise in die Türkei habe ich gestern einen großen Fehler gemacht. Ich bereue zutiefst, alkoholisiert Auto gefahren zu sein.“
Etwa eine Promille Alkohol im Blut
Tas war vom vergangenen Mittwoch bis Freitag als Prozessbeobachter in die Türkei gereist. Am Donnerstagmorgen passierte in Ankara ein schweres Zugunglück mit neun Toten. Ein Freund und Kollege von ihm starb dabei. Alles sei aufwühlend gewesen, bestätigte Hakan Tas dem KURIER. Die Frage, ob er in der Nacht mit seinem Mercedes von einer Feier kam, ließ er unbeantwortet. Er sagte: „In einer Kneipe war ich nicht.“
Seit 2011 sitzt er im Abgeordnetenhaus. Tas achtete bisher stets auf korrektes Verhalten.
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Er war laut Polizei mit seinem Auto am Sonnabend gegen 0.20 Uhr in der Lennéstraße am Tiergarten gegen einen Laternenmast gefahren und hatte die Fahrt fortgesetzt. Das war Polizisten aufgefallen, die außerdienstlich mit einem Auto unterwegs waren. Eine alarmierte Streifenwagenbesatzung beobachtete ihn beim Einparken am Nollendorfplatz und sprach ihn an. Der Abgeordnete musste „pusten“, dann Blut abgeben. Er soll etwa ein Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Die Polizei ermittelt nun wegen Trunkenheit am Steuer und des Verdachts der Fahrerflucht.
Nachricht kam ungelegen
Der Vorfall hat erste Konsequenzen: Denn Tas beschäftigt sich als innenpolitischer Sprecher mit rechtsstaatlichen Normen. Er achtet sonst sehr auf korrektes Auftreten und Kleidung. Den Sprecherposten und die Mitgliedschaft im Fraktionsvorstand lässt er ruhen.
Die Nachricht von der Suff-Fahrt kam für die Linke, die gerade zu ihrem Landesparteitag zusammengekommen war, zur Unzeit. „Wir werden am Dienstag auf der Fraktionssitzung über dieses Thema und mögliche Folgen daraus sprechen, teilte Fraktionssprecher Thomas Barthel offiziell mit. Intern heißt es, dass es nur eine Vertretung als innenpolitischer Sprecher geben wird. Hakan Tas soll auf dem Papier die Funktion behalten.
Der Mercedes von Hakan Tas ist mitdem Alkohol-Crash ordentlich beschädigt worden.
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Grünen für Null-Promille-Grenze am Steuer
Immer wieder werden prominente Politiker betrunken am Steuer erwischt. Die Fälle wurden meist erst bekannt, nachdem die Presse davon erfahren hatte. So war es 2011 im Fall des Grünen-Landesgeschäftsführers André Stephan. Er war nach dem Hoffest im Roten Rathaus betrunken und schlafend am Steuer angetroffen worden, an einer Ampel an der Holzmarktstraße. Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast trennte sich daraufhin mitten im Wahlkampf von ihrem Kampagnenmanager. Die Grünen seien für die Null-Promille-Grenze am Steuer.
Auch Neuköllns Schulstadtrat Jan-Christopher Rämer, der vor gut einem Jahr mit 1,4 Promille im Blut nachts schlafend in seinem Auto angetroffen wurde, bei laufendem Motor in zweiter Reihe parkend, bat umgehend um seine Entlassung.
Tas stand unter Polizeischutz
Hakan Tas (52) gilt nicht als Politiker, der sich zurücknimmt. Der türkischstämmige Erdogan-Kritiker bekennt sich offen zu seiner Homosexualität. Um die Zustände in der Türkei für Journalisten und Oppositionelle zu verbessern, fliegt er regelmäßig dorthin. Tas hat deshalb Gegner, stand schon unter Polizeischutz. Vor einem Jahr wurde er in Kreuzberg attackiert.
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