Warum das Schwarze Meer eigentlich so und nicht anders heißt? Dazu gibt es wie immer mehr als nur eine Theorie.
Mal hat es was mit sulfatreduzierten Bakterien zu tun, die anscheinend so chemisch überaktiv sind und so unheilvolle Verbindungen eingehen, dass sie das Wasser eintrüben. Mal geht man davon aus, dass unsere antiken Vorfahren die Himmelsrichtungen in Farben angegeben haben. Und schwarz stand für den Norden.
Wie auch immer: Wer am Strand von Sotschi baden geht, sieht nicht viel, wenn er nach unten blickt. Sichtweite: ein halber Meter. Heißt es.
Ich habe es nicht ausprobiert. Ich habe keine Badehose dabei. Absichtlich vergessen. Aus Selbstschutz. Aus Voreingenommenheit?
Man hört ja nicht viel Gutes über die Wasserqualität des Schwarzen Meeres. Es ist mindestens bedroht. Manchmal stirbt es schon. Man hört von Abwässern, die ungeklärt hineingepumpt werden. Man liest von einem giftigen Cocktail aus Düngemittel und Schwermetallen, den die Flüsse aus allen Richtungen hineinspülen. Delfine? Höchstens als Kadaver am Strand.
Millionen Russen machen Urlaub in Sotschi
Ich habe bislang keine toten Delfine am Strand von Sotschi gesehen. Dafür ziemlich viele Touristen, die sich in die Wellen stürzen, untertauchen – und zur Erleichterung lebend wieder herauskommen.
Etwa vier Millionen Russen sollen jedes Jahr Urlaub machen in Sotschi. Einer heißt Artjom, Ende 40, Glatze, zweifacher Vater, ein Geschäftsmann aus Moskau. Und er sagt am Strand: „Klar, man kann hier schwimmen. Das Wasser ist großartig. Wo ist deine Badehose?“
Ich schaue auf seinen Kopf. Ich schaue in meinen. Ich schaue aufs Meer. Ich bin noch nicht soweit.
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