Tripolis Der Westen macht ernst: Gestern beschloss die EU Sanktionen gegen das libysche Regime. Die Amerikaner erwägen die Einrichtung einer Flugverbotszone. Diktator Muammar al-Gaddafi scharrt indes seine letzten Getreuen um sich: Revolutionsgarden, Privatmilizen und ausländische Söldner.Der Machtbereich des libyschen Diktators schrumpft zusehends. Muammar al-Gaddafi ist zu einem König ohne Volk geworden, beherrscht nur noch ein paar Flecken im Land, vor allem aber die 1,8-Millionen-Metropole Tripolis. Der Diktator ist schwer gerüstet und offenbar zu allem entschlossen ist - auch zur Bombardierung des eigenen Volkes. Sogar über Senfgas-Bestände soll der Diktator verfügen. Gestern meldete "Bild", die Opposition hätte ein Flugzeug des Diktators abgeschossen. Unterdessen versammelt Gaddafi im mit Panzern und Raketenwerfern gesicherten Militärkomplex Bab al-Asisija in Tripolis seine Getreuen zum letzten Gefecht um sich. Das sind die Truppen, auf die er vertraut:Revolutionsgarde "Katiba". Die 22 000-Mann-Einheit erinnert an Saddam Husseins Republikanische Garden. Sie tragen ein rotes Barett, werden von Oberst Abdullah Senussi befehligt, einem Schwager Gaddafis. Auch Gaddafis legendäre weibliche Leibgarde gehört dazu.Privatmilizen. Weil sie der Armee nie trauten, bauten Gaddafis Söhne Privatmilizen auf. Sie sind gut ausgerüstet, gut bezahlt und sind ihnen treu ergeben - wie die "Legion 36" von Gaddafis Sohn Chamis. Sie soll in al-Bayda von Demonstranten bedrängt worden sein. Einige Soldaten wurden gelyncht.Ausländische Söldner. Sie verbreiten Angst und Schrecken: Seit den 80er Jahren rekrutierte Gaddafi zum Aufbau einer "Islamischen Panafrikanischen Legion" Söldner aus Sudan, Mali und dem Tschad, vor allem Angehörige des Tuareg-Volkes.Eine ganz persönlichen Tiefschlag hatte Gaddafi gestern zu verkraften: Galina Kolotnizkaja, seine persönliche Krankenschwester, war mit 190 Landsleuten zurück in ihre ukrainische Heimat geflogen. In den 1990er Jahren war sie wegen der vergleichsweise üppigen Gehälter nach Libyen ausgewandert. WikiLeaks hatte berichtet, US-Diplomaten hätten der "üppigen Blondine" eine Liebesbeziehung zu Gaddafi nachgesagt. STU------------------------------BU: Libysche Jungen sitzen auf der Kanone eines zerstörten Panzers in Bengazi - ihre Art, sich über die neu gewonnene Freiheit zu freuen.
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