Letzter Akt im Trauerspiel

Schluss mit Schloss Schwante

Christian Schulz betrieb Clärchens Ballhaus und das herrliche Schloss Schwante.

Stefanie Hildebrandt
Lesezeit 4 Min
Mit einem Abschiedsfest schließt die feudale Filiale des Monbijou-Theaters, das Schloss Schwante, seine Pforten. 

Mit einem Abschiedsfest schließt die feudale Filiale des Monbijou-Theaters, das Schloss Schwante, seine Pforten. 

© imago

Christian Schulz hat mit seinem Gefolge viele magische Orte geschaffen. Das Monbijou-Amphitheater, Schloss Schwante. Die Märchenhütten, Clärchens Ballhaus, mit Kodderschnauze und Herz: Den Zauber des Maroden in Szene setzen, Verlassenes mit Drama und Komödie füllen. Man muss ein Spieler sein, um immer wieder solche Visionen zu verwirklichen. Jetzt hat Christian Schultz alles verloren. Oder die Freiheit gewonnen, sich ein weiteres Mal neu zu erfinden.

Der gebürtige Münchner Christian Schulz prägte die freie Theaterlandschaft in Berlin. 

Der gebürtige Münchner Christian Schulz prägte die freie Theaterlandschaft in Berlin. 

© imago images / tagesspiegel

Ein kleines Kulturimperium, ein Lustschloss im Brandenburgischen, ein Zerwürfnis unter Verbündeten, und am Ende immer wieder das liebe Geld – dies sind die Zutaten in einem Trauerspiel, dessen letzter Akt an diesem Wochenende gegeben wird. Mit einem Abschiedsfest schließt die feudale Filiale des Monbijou-Theaters, das Schloss Schwante, seine Pforten. Die neuen Besitzer des Anwesens wollen ab September das Herrenhaus umbauen um selber darin zu wohnen.

Christian Schulz kauft Herrenhaus für 170.000 Euro

Erster Akt: Viele Berliner aber vor allem die Nachbarn aus Schwante begrüßten es, dass das alte Herrenhaus vor dem Verfall bewahrt wurde, als Christian Schulz es 2009 für 170.000 Euro von der Gemeinde Oberkrämer kaufte. Nach dem Krieg war im Schloss ein Behelfskrankenhaus für Typhuskranke eingerichtet worden, in der DDR schulte die FDJ dort ihre Kader, 1962 zog die Gemeindeverwaltung ein. 

Doch nach der Wende fiel das Herrenhaus in einen Dornröschenschlaf, bis Christian Schulz’ Hexenkessel Hoftheater und Strand GmbH es kaufte und allmählich mit dem Theaterbetrieb begann.

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Zweiter Akt: Gutes Essen, Lesungen, Tanz und Theater – seit 2017 füllen regelmäßige Veranstaltungen das 280 Jahre alte Gemäuer mit Leben. „Wir haben hier in Schwante eine Umgebung geschaffen, in der sich die Menschen entfalten können, hier können sie aber auch essen und trinken. Wir haben versucht herauszufinden: Wie spielt man Schloss?“, hatte Christian Schulz vor knapp einem Jahr gesagt. Da war der Schlossherr gerade auf einem Pferd auf sein Anwesen geritten, seine Braut vor sich im Reitersitz. Der gläserne Kronleuchter vor dem Herrenhaus schaukelte über einer Hochzeitsgesellschaft. Ein Fest des Lebens und der Liebe.

Besitzer wollen im Schloss wohnen

Dritter Akt: die Katastrophe kündigt sich in der Hauptstadt an. Eine knappe Fahrstunde entfernt überwirft sich Christian Schulz mit seinem Geschäftspartner David Regehr und verliert in der Saison 2019 die Spielstätte am Monbijou-Park. Dies bedeutet auch den Verlust einer Einnahmequelle. Auch den Betrieb von Clärchens Ballhaus sollen nach der Sanierung neue Betreiber übernehmen, wie im Juli von den neuen Eigentümern bekannt gemacht wird. Vom Schulz’schen Gaukler-Universum bleibt nur Erinnerung. „Wie ein jedes Fest und ein gutes Drama, wie auch jedes Buch und erst recht die Geschichte vergänglich sind und enden, hinterlassen sie Erinnerungen, die uns leiten und zuweilen auch verzaubern“, heißt es auf der Webseite.

Das hölzerne Amphiteather am Monbijou-Park zog die Besucher seit Jahren an.

Das hölzerne Amphiteather am Monbijou-Park zog die Besucher seit Jahren an.

© imago/PEMAX

Schloss Schwante und seine Gesichter verabschieden sich am 10. und am 17. August mit einem großen Fest. „Wir laden ein zum letzten Akt und feiern ausgelassen das Grande Finale!“ Und ist das Konfetti weggekehrt, ziehen die neuen Besitzer ein.

Epilog: Die Kunstinvestorin Loretta Würtenberger, die als jüngste Richterin Deutschlands in Berlin arbeitete, ihr Ehemann Daniel Tümpel und die vier Kinder wollen künftig im Schloss wohnen. Ihre Pläne sehen eine Sanierung vor. Den Park wollen die neuen Bewohner als Ganzes wiederherstellen. Geöffnet haben wird dieser aber nur wenn das Paar zu Skulpturenausstellungen einlädt.

Das Ehepaar führt die Firma Fine Art Partners, die Kunstnachlässe vermittelt und verwaltet. Einer ihrer Kunden ist laut Märkischer Oderzeitung der Regisseur Wim Wenders. Wenders habe laut Ortsvorsteher Dirk Jöhling (BfO) in Schwante schon einen Geburtstag gefeiert.

Doch längst ist damit nicht alles eitel Sonnenschein: Um einen Weg, der am Schloss entlang führt und der bisher öffentlich zugänglich war, gibt es weiter Diskussionen.    

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