Plötzlich steht er vor mir. Ein Mann, ein Meter neunzig groß, durchtrainiert. Er ist mein Partner im heutigen Training. Eine gute Vorbereitung auf meinen ersten Wettkampf, meint mein Coach. Aber was soll ich mit diesem Riesen nur anfangen? Er könnte mich am Gürtel packen und wie einen Zwerg in die Luft heben. Nur nicht beim Silat. Wir kämpfen wie Ninjas, auch mit Waffen. Trotzdem ist gegenseitiger Respekt das oberste Gebot. Das drückt auch die Farbe unserer Schärpen aus. Weiß. Bei jedem, außer dem Meister. Keiner kann sich über den anderen erheben. Auch nicht der Riese, der vor mir steht. Wir beginnen den Trainingskampf. Und dann treffe ich ihn tatsächlich gut. Ich bin total motiviert. Dem will ich's zeigen. Mein Bein kriege ich plötzlich hoch bis zu seinem Kopf. Das war wirklich eine gute Vorbereitung auf meinen Wettkampf, die Berlin-Brandenburgische Meisterschaft. Wenn ich den 1,90-Meter-Mann schlagen kann, kann ich Kinder in meinem Alter erst recht besiegen. Die Taktik geht auf. Ich hole mir den Pokal. Meine erste Meisterschaft, mein erster Sieg - das geht ja gut los!------------------------------Auch du kannst Kung Fu Pencak Silat machenOb Junge oder Mädchen, Alt oder Jung: Silat ist für jeden geeignet. Leon trainiert in der Kampfschule Sicuro Dojo in Köpenick (www.sicuro-dojo-berlin.de).Aber auch an einigen anderen Orten in Berlin wird Silat-Training angeboten. Eine Liste der Vereine findest du im Internet auf der Homepage www.silatberlin.de unter Training/Trainingsorte.------------------------------Kleine Silat-WaffenkundeDie erste Waffe, mit der ein Schüler nach der Anfängerprüfung umzugehen lernt, ist der Kampfstab. Er wird mit beiden Händen geführt. Die Waffentechniken werden zunächst als Einzelübung geübt, um mit der Waffe vertraut zu werden und die nötigen Muskeln zu trainieren. Mit fortgeschrittenen Schülern wird dann mit den Waffen eine Partnerübung (Basis) einstudiert. Der Freikampf mit Waffen erfolgt erst ab den Lehrergraden.Der starre Kampfstab (toya) aus Rattan hat einen Durchmesser von etwa 28 bis 30 Millimetern und eine Länge von 150 bis 180 Zentimetern. Die Vorteile von Rattan: Es ist leicht, splittert und bricht nicht.Der indonesische Dolch (kris) mit geflammter, zweischneidiger Klinge hat in der indonesischen Kultur eine besondere Bedeutung. Der Legende nach hat einst ein Meteorit Götterkräfte auf den Kris übertragen.Das Haumesser (golok) wird rechts, links und beidhändig gehalten. Sowohl mit der Schneide als auch mit der Spitze, dem Rücken und dem Griff werden Stöße, Hiebe und Schnittbewegungen ausgeführt.Das Erlernen von Waffentechniken erfolgt aus drei Gründen:1. Zur Selbstverteidigung auf der Straße, allerdings nicht in dem Sinne, dass der Schüler Waffen mit sich führt, sondern dass er sich im Falle eines bewaffneten Angriffes zu verteidigen weiß und nicht verschreckt und ängstlich aufgeben muss.2. Der Kunst halber - mit den Waffen wird weniger direkt gekämpft, als vielmehr mit ihnen gespielt.3. Aus sportlichen Gründen und zur Abwechslung.------------------------------Die Geschichte des Silats, kurz erzähltPencak Silat heißt übersetzt "Kunstvolles Kämpfen". Die Legende des indonesischen Kung Fu erzählt, dass ein Jüngling eine Lotusblüte beobachtete und die Kampfkunst Pencak Silat (sprich Pentjak Silat) daraus entwickelte. Die Geschichte wurde 320 nach Christus niedergeschrieben. Und man glaubt die Anfänge des Pencak Silat rühren aus dieser Zeit. Die Kampfkunst verließ erst in den 1970iger- Jahren den asiatischen Kontinent, da bis zu dieser Zeit die Kunst nur an Asiaten weitergegeben werden durfte. Die besten asiatischen Pencak-Silat-Kämpfer werden in den Polizei- oder Militärdienst übernommen und sichern sich und ihren Familien so ein sorgloses Leben. Pencak Silat ist fest verwurzelt in der Kultur der südostasiatischen Länder und wird auch auf Hochzeiten und Volksfesten praktiziert.------------------------------BU: Im Kampf mit den Waffen lernen sich die Silat-Schüler zu verteidigen. Leons Schwester Nathalie wehrt seinen Angriff ab.BU: "Kunstvolles Kämpfen" ist die Übersetzung für Silat. Kunstvolle Bewegungen, wie Leon sie hier zeigt, gehören genauso zum Training wie Wettkämpfe und Selbstverteidigung.
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