Erna K. spürte ein leichtes Ziehen in der Leiste. Als sie näher hinsah, entdeckte sie eine Art „Beule“, die sich wieder nach innen wegdrücken ließ. Als ihr die Schwellung am Abend vor dem Zubettgehen größer vorkam, entschloss sie sich, zum Arzt zu gehen.
„Vor allem bei kleineren und wenig beschwerdeverursachenden Leistenbrüchen kann gemeinsam mit dem Patienten ein abwartendes Verhalten erwogen werden. Wenn Beschwerden auftreten oder der Bruch an Größe zunimmt, entscheidet man sich in der Regel für eine OP“, sagt Dr. Björn Siemssen, Leiter des Hernienzentrums der Klinik für MIC Berlin. „Nur in sehr seltenen Fällen ergibt sich die Notwendigkeit einer notfallmäßigen Versorgung, wenn zum Beispiel Anteile des Darmes in der Bruchlücke einklemmen.“
Die Operation: „In aller Regel wird bei erwachsenen Patienten ein Verfahren mit der Einbringung eines Kunststoffnetzes gewählt. Dies kann entweder per Schnitt oder minimal-invasiv mittels Spiegelung durchgeführt werden“, erklärt Dr. Siemssen.
Ablauf: Minimal-invasiv bedeutet, dass es keines großen Hautschnitts bedarf, sondern nur sehr kleiner Schnitte. Experten unterscheiden das sogenannte TEP(total extraperitoneale Hernioplastik)-Verfahren von der TAPP(transabdominelle präperitoneale Hernioplastik)-Methode. In beiden Fällen führt der Operateur über die kleinen Bauchschnitte ein Endoskop (optisches Gerät mit Minikamera) sowie die nötigen Instrumente ein und schiebt sie bis zum Leistenbruch vor.
Bei der TEP-Technik werden drei kleine Hautschnitte durchgeführt und ein Gewebespalt im Bereich der Bauchdecke künstlich erweitert. Dort führt der Operateur seine Instrumente ein, drückt den Bruch zurück und deckt ihn mit einem eingebrachten Kunststoffnetz ab. Das Netz wird in der Regel nicht weiter fixiert.
Beim TAPP-Verfahren werden ebenfalls drei wenige Millimeter lange Hautschnitte vorgenommen. Der Chirurg führt so wie bei anderen minimal-invasiven Baucheingriffen zunächst eine Bauchspiegelung durch. Über diesen Zugang wird, nachdem der Bruch zurückgeführt wurde, ein Kunststoffnetz in einer Schicht zwischen dem Bauchfell und der Bauchdeckenmuskulatur platziert. In einigen Fällen erfolgt eine zusätzliche Fixation des Netzes, zum Beispiel mit Klammern.
Gelegentlich wird es auch geklebt. Das Klammer- oder Nahtmaterial verbleibt im Körper und löst sich von selbst auf.
Risiken: „Als spezielles Risiko bei Leistenbruchoperationen wäre das Wiederauftreten des Bruches zu nennen“, so Dr. Siemssen. In einzelnen Fällen können regionale Schmerz- und Schwellungszustände nach der Operation auch längerfristig bestehenbleiben.
„Die großen Hernienzentren so wie unseres haben begonnen, in einem Register die operierten Fälle nachzuverfolgen und statistisch auszuwerten, um genauere Erkenntnis über die jeweiligen Therapieverfahren und die Ergebnisse zu erlangen“, sagt Dr. Siemssen. „Grundsätzlich kann man mit Sicherheit sagen, dass durch die Verwendung der Kunststoffnetze die Gefahr des Wiederauftretens eines Leistenbruchs sehr gering geworden ist.“
Nach der Operation: „Direkt nach der Operation sollte eine schwere Bauchdeckenbelastung, wie das Heben von schweren Lasten, unterbleiben“, betont Dr. Siemssen. „Bei den meisten Operationsverfahren mit Einbringung eines Netzes kann der Patient jedoch bereits zwei Wochen nach dem Eingriff eine Vollbelastung wieder aufnehmen.“
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