In unserer Serie stellen wir jeden Tag einen Verein vor. Heute:
Leipzig, RB Leipzig
Zu Gast bei RB Leipzig. Die Sachsen werden von Union Berlin gleich zum ersten Bundesliga-Spiel der Vereinsgeschichte empfangen. Der Mediensaal am Cottaweg platzt aus allen Nähten. Um 9.30 Uhr beginnt die Auftakt-Pressekonferenz mit dem neuen Trainer Julian Nagelsmann (31, vorher Hoffenheim) und Neu-Sportdirektor Markus Krösche (38, vorher Paderborn). Das frische RB-Duo stellt sich erstmals der Öffentlichkeit vor.
Die Neuen: Trainer Julian Nagelsmann (r.) und Sportdirektor Markus Krösche.
© Tobias Reetz
Nagelsmann erscheint im neuen, weißen Heimtrikot, Krösche im dunkelblauen Auswärtsdress. Wie wild knipsen die Fotografen. Klick. Blitz. Klick. Blitz. „Bleibt ruhig, ich bin noch eine Weile hier“, sagt Nagelsmann cool. Gelächter.
Vorletzter Stadionpunkt: Reporter Patrick Berger mit dem UNVEU-Mobil in Leipzig.
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Es geht um die sportliche Neuausrichtung des Pokal-Finalisten nach dem Abgang von Ralf Rangnick. Man stehe vor einer neuen Zeitrechnung, habe Blut geleckt mit dem Pokalfinale und wolle in der Bundesliga angreifen, sagt Geschäftsführer Oliver Mintzlaff (43).
Freuen Sie sich auf die Ostderbys, Herr Mintzlaff?
Wir wollen allerdings wissen: „Wie haben Sie in Leipzig den Aufstieg von Union Berlin wahrgenommen und welche Bedeutung hat ein Ostderby für die Region?“ Also, kurzes Handzeichen, Mikrofon kommt, Frage wird gestellt. Mintzlaff überlegt eine Weile, antwortet dann: „Union Berlin ist ein Klub mit großer Tradition und sehr viel Geschichte. Wir haben immer gesagt, dass wir uns als Vorreiter für den Osten in der Bundesliga betrachten. Es ist gut für den Osten, dass so ein Verein jetzt in der ersten Liga ist. Wir freuen uns auf das Aufeinandertreffen. Gleichwohl hoffen wir aber auch, dass alle handelnden Personen verantwortungsvoll mit dem Thema umgehen.“
700 Fans kamen zum Trainingsauftakt von RB Leipzig
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Und Nagelsmann sagt: „Ich freue mich auch auf die Eisernen. Union spielt attraktiven Fußball, kommt zudem über die Mentalität. Ich habe ein paar Ex-Spieler dort (Joshua Mees, Grischa Prömel und Nicolai Rapp; Anm. d. Red.). Dadurch bekommt das Ganze natürlich eine persönliche Note.“
Nach 37 Minuten endet die Pressekonferenz. Im anschließenden Auftakttraining unter dem neuen Coach sind knapp 700 Fans dabei, was bei einem Montag dann doch erstaunlich ist. Großes Gelächter auf der Tribüne, als Timo Werner eine Stange umstellen will und diese in der Mitte durchbricht. Nagelsmann hilft dem Nationalspieler. Im Anschluss haben wir dann ein Doppel-Interview mit DFB-Nationalspieler Marcel Halstenberg (27) und Diego Demme (27), die gerade frisch aus der Mittagspause kommen. Demme schüttelt immer noch etwas ungläubig den Kopf, weil Halstenberg ihn beim Billard mit 2:1 geschlagen hat. „Obwohl ich besser bin“, sagt Diego.
Machte 2017 beim 0:0 gegen England sein erstes Länderspiel: Leipzig-Profi Marcel Halstenberg.
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Das Interview im Wohnmobil beginnt. „Wow, cooles Teil“, sagt Demme, nimmt auf dem nach innen gedrehten Beifahrersitz Platz und schaut sich um. „Meine Schwiegereltern haben auch so ein Teil, nur nicht mehr ganz so neu wie dieses“, ergänzt Halstenberg.
UNVEU: Ein Urlaub in diesem Wohnmobil, wäre das etwas für Sie?
Diego Demme: Ich habe echt mal darüber nachgedacht, mir einen Bully zu kaufen und damit im Sommer Richtung Schweden zu fahren. Das fände ich cool. Aber meine Freundin stellt sich quer (lacht). Sie sagt immer, dass ich nicht der Typ dafür sei. Ich sei zu ungeduldig und würde mich nur aufregen, wenn mal etwas kaputtgeht oder schiefläuft. Sie kommt aus einer Familie, die gerne Camping-Urlaube macht. Ich muss noch mal mit ihr reden, mich würde das schon reizen.
Marcel Halstenberg: Ich finde das auch cool. Wie gesagt, meine Schwiegereltern haben sich ein älteres Modell gekauft. Den haben sie sich letztes Jahr zugelegt und sind glücklich. Das Ding irgendwo abstellen und hinten drin schlafen, morgens dann im Wagen frühstücken oder draußen unter der Markise sitzen – vielleicht nehmen den meine Frau und ich ja auch mal.
Nationalspieler Marcel Halstenberg (l.) ist seit 2015 bei RB, Mittelfeldspieler Diego Demme sogar seit 2014.
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Ganz Köpenick ist heiß auf das Debütjahr in der Bundesliga. Wie ist Euer Draht zu Union?
Demme: (überlegt) In der Zweiten Liga haben wir ja schon gegen Union gespielt, das waren heiße Duelle. Ich kenne dort momentan aber keinen Spieler persönlich.
Halstenberg: Florian Hübner spielt dort in der Innenverteidigung, mit dem habe ich zwei Jahre lang in Dortmund gespielt. Wir haben eine enge Verbindung, er ist ein guter Kumpel. Ich freue mich, ihn wieder in der Ersten Liga zu sehen. Mit Hannover hat er ja schon mal in der 1. Liga gespielt, aber nicht so richtig den Fuß in die Tür bekommen. Bei Union hat er in der Aufstiegssaison richtig gute Leistungen gezeigt.
Demme: Ich freue mich auf die Stimmung an der Alten Försterei. Ich erinnere mich noch an Spiele mit dem SC Paderborn in der Zweiten Liga, als Torsten Mattuschka noch dort gespielt hat. Da könnt Ihr Euch ja sicher vorstellen, was da los war. Die haben ihn bei jeder Aktion gefeiert. Wahnsinn!
Diego Demme sagt, wieso Leizig ein guter Bundesliga-Standort ist.
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Wie habt Ihr die beiden Relegationsspiele gegen den VfB Stuttgart verfolgt?
Halstenberg: Union hat auswärts zwei Tore gemacht und war in beiden Spielen besser. Der Aufstieg ist unterm Strich verdient.
Demme: Das hat man natürlich mitbekommen. Auf Instagram war für ein paar Tage lang gefühlt alles rot-weiß. Unter bestimmten Hashtags konnte man Bilder und Videos vom Aufstieg und der Feier sehen. Hut ab, da ging es richtig ab.
Gleich am ersten Spieltag müsst Ihr mit RB zu Union. Was wird Euch in Köpenick erwarten?
Halstenberg: Sicherlich ein Hexenkessel. Die Fans leben den Verein. Es wird nicht einfach sein, in diesem kleinen Stadion bei dieser Atmosphäre zu punkten. Gerade zum Auftakt wird Union alles rausholen. Der Spielplan hat es gut mit uns gemeint, dass wir gleich zu Beginn das Ostderby haben.
Demme: Ich habe schon ein paar Derbys in Ostwestfalen gespielt mit Paderborn gegen Bielefeld oder mit Bielefeld gegen Osnabrück. Ich freue mich total auf das Spiel gegen Union. Aber mal was anderes: Fast noch mehr freue mich aufs Berliner Derby, da wird es zur Sache gehen. Wenn es zeitlich passt, werde ich auf jeden Fall hinfahren. Das wird ein Highlight in der Bundesliga. Mit Davie Selke spielt ja ein ehemaliger Teamkollege von uns bei Hertha.
RB feierte zuletzt Zehnjähriges. In dieser Zeit schaffte es der Klub im Schnelldurchlauf von der fünften in die erste Liga. Beim Auftakt am Morgen waren 700 Zuschauer dabei. Ehrlich gesagt haben wir mit diesem Andrang nicht gerechnet.
Halstenberg: Ich denke, dass RB mittlerweile fest zur Stadt Leipzig dazugehört. Die Vorbehalte, die es zu ganz zu Beginn in der Region und in Deutschland gab, sind nicht mehr erwähnenswert. Die Leute sehen, dass hier ehrlich und nachhaltig gearbeitet wird, dass der Verein eine klare Philosophie verfolgt und dass sich etwas entwickelt. Das Interesse ist groß und war auch zu meiner Anfangszeit vor vier Jahren schon gegeben.
Immer dabei: Ein Union-Schal
© Tobias Reetz
Demme: Ich bin jetzt seit fünfeinhalb Jahren hier und kenne noch die Drittliga-Zeiten mit RB. Die Fangemeinschaft ist, wie der Verein auch, mitgewachsen. Unsere Anhänger sind richtig klasse. In der Stadt werden wir schon sehr oft angesprochen, aber immer sehr freundlich.
Inwiefern haben sich auch das Umfeld und die Strukturen bei RB verändert?
Demme: Schon sehr, gerade mit Blick auf die Akademie. Ich erinnere mich noch, wie wir uns in provisorischen Containern umgezogen haben. Mittlerweile ist alles viel größer und sehr professionell. Das Umfeld ist mitgewachsen, die Stadt, die Fans, die Qualität der Spieler in unserem Kader – Leipzig ist ein super Bundesligastandort.
Das ist Rasenballsport Leipzig
Gründungsjahr: 19. Mai 2009
Mitgliederzahl: 750 (1. Januar 2018)
Rekordspieler (Einsätze/Tore): Yussuf Poulsen (Einsätze: 219), Daniel Frahn (Tore: 88)
Stadion + Kapazität: Red Bull Arena (42.959)
„Hungry for more“ lautet das Klub-Motto in der Saison 2019/2020. Julian Nagelsmann hat auf der Pressekonferenz gesagt, dass er gerne bald mal „etwas Größeres, was Blechernes aus Metall, Gold oder Silber“ mitnehmen möchte. Wann holt RB den ersten Titel?
Halstenberg: Puh, das ist schwer zu sagen. Wir haben mit Julian Nagelsmann einen neuen Trainer, der uns neue Inputs gibt. Wir alle, da spreche ich auch für Diego, wollen erfolgreich sein und irgendwann mal einen Titel holen. Das gehört doch zum Fußballersein dazu. Mal schauen, wann der Zeitpunkt kommt. Wir arbeiten jedenfalls hart dafür.
Wie ist der erste Eindruck von Julian Nagelsmann?
Demme: Man merkt sofort, dass er Wert auf Ballbesitzfußball legt, auf Pressing und Gegenpressing. Das tut unserem Spiel, glaube ich, ganz gut.
Zurück in Köpenick: Nach acht Tagen und mehr als 3000 Kilometern ist der Trip für Patrick Berger (l.) und Tobias Reetz zu Ende.
© zvg
Ist es ein Vorteil, dass Nagelsmann fast das gleiche Alter hat wie seine Spieler?
Demme: Ich denke schon. Die Kommunikation ist zum Teil etwas anders. Ich erinnere mich, wie er bei Hoffenheim immer an der Seitenlinie mitgegangen ist. Als Gegner hast du dich oft aufgeregt, aber wenn er dein eigener Trainer ist, ist das super. Ich mag das. Er ist von seiner Mentalität an der Seitenlinie her, ein bisschen wie Diego Simeone (lacht).
Marcel, Sie sind aktuell Nationalspieler. Sehen Sie sich schon als fester Bestandteil?
Halstenberg: Ich war mit auf der Länderspielreise gegen Estland und mit 27 Jahren einer der fünf Ältesten – da guckst du dich dann schon mal um und denkst: verrückt. Die Nationalelf durchlebt gerade einen Umbruch. Ich habe gegen Estland 45 Minuten gespielt und hatte großen Spaß. Ich möchte gute Leistungen im Verein bringen und hoffe, dass ich auch in Zukunft dabei bin.“
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