Stephan von Dassel, Bezirksbürgermeister von Mitte, will Leihrad- und Leihroller-Anbieter zur Kasse bitten. Der grüne Politiker möchte eine Sondernutzungsgebühr „von drei bis zehn Euro im Monat erheben“ - für jedes abgestellte Zweirad. Dies sagte von Dassel der Berliner tageszeitung (taz). Wenn sich keine gemeinsame Lösung in Berlin hinsichtlich von Land und Bezirken finden lasse, werde er die Gebühr auch alleine in Mitte umsetzen.
Bisher ist das Abstellen der Räder in Berlin kostenlos, wird folglich nicht von den Behörden als erlaubnispflichtige Sondernutzung gewertet. Die Leihräder mehrerer Anbieter sorgen in der Hauptstadt vermehrt für Ärger. Oft werden die Räder von Nutzern vermeintlich wahllos im öffentlichen Raum abgestellt.
Anbieter wollen aufklären und Wildparker bestrafen
Der Berliner Anbieter Byke verteidigt sich und seine Nutzer: Die große Mehrheit der Bevölkerung nehme das Angebot sehr gut an, sagt eine Unternehmenssprecherin. Falsch geparkte Räder würden eingesammelt oder umgestellt. Ähnlich sagt es Call-a-Bike, eine Tochter der Deutschen Bahn: „Beschwerden von Kunden oder Anwohnern über defekte oder ungünstig abgestellte Fahrräder gehen wir unverzüglich nach”, sagte eine Sprecherin. Bei Call-a-Bike werden Räder üblicherweise an Stationen zurückgegeben.
Der chinesische Anbieter Mobike will seine Kunden künftig für das verantwortungsvolle Parken und das Melden von Problemen belohnen - und umgekehrt Nutzer bestrafen, die sich nicht an die Regeln halten. Bei einem Verfahren namens „Mobike Score” könnten Punkte gesammelt oder gelöscht werden, hieß es auf Anfrage.
„Wir wollen, dass diese Flut aufhört“
Dass nicht nur Bürger sauer über falsch abgestellte Räder sind, berichtet eine Sprecherin des Anbieters Nextbike: „In Berlin stehen vermehrt die Räder der anderen Anbieter an unseren Stationen”, sagt sie. Dies sei besonders ärgerlich, weil Nextbike als öffentliches Fahrradverleihsystem der Hauptstadt in den jeweiligen Bezirken Sondernutzungsgebühren für die Stationen zahle. Nextbike will an den Rückgabeorten nun auf das Problem hinweisen. Und die Wettbewerber bitten, ihre Kunden für das Thema zu sensibilisieren.
Wie viele Leihräder derzeit in Berlin im Umlauf sind, lässt sich nicht genau beziffern. Stephan von Dassel will mit seinem Vorstoß nicht in erster Linie Zusatzerlöse für den Bezirk erwirtschaften. Der taz sagte er: „Mir geht es gar nicht um die Einnahmen. Wir wollen, dass diese Flut aufhört.“ (Red./dpa)
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