Leerstand nimmt zu

Schwaben-Geiz killt Kiez-Gschäftle

Seit Jahren gehört der Kollwitzkiez zu Berlins beliebtesten Wohngegenden. Die Mieten sind explodiert, „Ureinwohner“ verdrängt. Jetzt scheint der Kiez langsam auszubluten.

Marcus Böttcher
Lesezeit 2 Min
Dieser Laden in der Rykestraße 46 kostet 1300 Euro Monatsmiete.

Dieser Laden in der Rykestraße 46 kostet 1300 Euro Monatsmiete.

© Gudath Lizenz

Seit der südkoreanische Imbiss auszog, steht dieser Laden leer.

Seit der südkoreanische Imbiss auszog, steht dieser Laden leer.

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Jens (46) vom „Blumenplatz“.

Jens (46) vom „Blumenplatz“.

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Weinhändler Reinhard Schuberth.

Weinhändler Reinhard Schuberth.

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Pralinen-Expertin AngelaHähnel (66).

Pralinen-Expertin AngelaHähnel (66).

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18, 19, 46, 48, 50, 52. Keine Lottozahlen, sondern Hausnummern, in denen in der Rykestraße Geschäfte leer stehen. Auch in der Kollwitzstraße, der Wörther Straße und der Knaackstraße sehen Besucher verhangene Schaufensterscheiben mit „Zu vermieten“-Schildern.
Das seit der Wende teuer sanierte Erfolgsmodell Kollwitzkiez zeigt seine Schattenseiten. Viele Ladenbetreiber klagen über fehlende Einnahmen. Wie Angela Hähnel vom Süßigkeitenladen „Choco & Finesse“. „Die Gegend wurde stillgelegt. Die Clubs sind weg, die Wohnungen teuer, die einst jungen Leute haben Familien. Und die Touristen gehen lieber nach Neukölln.“ Ihr Laden rechnet sich längst nicht mehr.

Ihr Sohn, der das Pralinengeschäft aufgrund von Perspektivlosigkeit nicht übernehmen will, schimpft: „Die vielen Schwaben leben ihre Mentalität hier aus. Die kommen in unseren Laden, schauen was gefällt und bestellen hinterher für ein paar Cent weniger im Internet. Dieses Verhalten macht Läden kaputt.“

Nur eine düstere Zukunftsprognose? Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD, zuständig für Wirtschaftsförderung) sieht den Leerstand „noch im Rahmen einer normalen Fluktuation“. Und auch bei der Gewobag, die 192 Gewerbeobjekte im Kiez betreibt, verzeichnet man laut Unternehmenssprecher Volker Hartig eine „hohe Nachfrage“.

Baustadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) jedoch kennt die Probleme von „überbordenden Forderungen der Vermieter, die nicht mehr erwirtschaftbar sind“.

Die, die aber täglich in ihren Läden ums Überleben kämpfen, sehen das ähnlich. Reinhard Schuberth von der „Berliner Weinagentur“ mahnt, dass durch ungleiche Quadratmeter-Mietpreise einzelne Händler benachteiligt werden. Und Florist Jens aus der Kollwitzstraße hängt das Verhalten vieler Anwohner zum Hals raus: „Jeder bestellt hier im Internet, möchte Totenstille im Kiez, macht aber auf der Straße auf dicke Hose. Diese Mentalität ist unverschämt, frech und unsozial. Aber so sind sie.“

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