Es passierte, als niemand damit rechnete, doch der Tod hält sich nicht an Regeln. Diese Erfahrung kostete Carsten Warnholtz fast das Leben. Der sportliche Senior besuchte seine Kinder in Berlin, abends ging die Familie in die Gedächtniskirche, am Heiligen Abend. Als er mit Frau und Sohn anschließend zum Kempinski-Hotel schlenderte, wurde dem Steuerberater plötzlich schlecht. Kreidebleich ging er zu Boden. Sein Herz blieb stehen, setzte einfach aus. „Ich suchte aufgeregt nach seinem Puls, doch da war nichts“, erinnert sich Ilse Warnholtz. Während der Sohn einen Krankenwagen rief, tat sie geistesgegenwärtig genau das Richtige: Sie begann mit einer Herzmassage, drückte wie von Sinnen den Brustkorb des Ohnmächtigen rhythmisch nach unten. „Ich dachte gar nicht lange nach“, erzählt die zierliche Frau. „Einfach drücken.“ Als nach zehn Minuten Rettungssanitäter eintreffen, schlägt das Herz wieder. Erst später wird ihr bewusst, dass sie in diesen wenigen Minuten ihrem Mann das Leben rettete.
„Etwa fünf Menschen erleiden in Berlin täglich einen plötzlichen Herztod“, weiß Dr. Joachim Müller, Facharzt für Intensivmedizin. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, ein hoher Blutdruck oder verengte Herzkranzgefäße sind die häufigsten. Es trifft nicht nur ältere oder Menschen, die bereits herzkrank sind. „Solch ein Stillstand kann spontan jedem passieren“, warnt Müller. Und er hat fatale Auswirkungen: Wenn das Herz nicht mehr sauerstoffreiches Blut durch den Körper pumpt, stirbt zuerst das Gehirn. „Das passiert bereits nach vier bis sieben Minuten“, so der Arzt. Beginnen erst danach Wiederbelebungsmaßnahmen, bleiben auf jeden Fall Schäden zurück. Doch nur 15 Prozent der Berliner leisten spontan Erste Hilfe. „In Skandinavien handeln 60 Prozent der Bevölkerung. Wiederbelebungsmaßnahmen stehen dort schon im Schulunterricht auf dem Stundenplan. Bei uns trauen sich die meisten Leute nicht. Sie haben Angst, was falsch zu machen und warten deshalb lieber auf einen Arzt.“
Gemeinsam mit Kollegen aus dem St. Gertrauden-Krankenhaus Wilmersdorf und der Johanniter-Unfall-Hilfe stand Dr. Joachim Müller dieser Tage auf dem Breitscheidplatz. Anlass ist die „Woche der Wiederbelebung“. Die Ärzte erlebten auch hier viel Skepsis, ob Laien wirklich helfen können. Dabei ist es echt einfach, wie die Passanten an Übungspuppen selbst ausprobieren konnten.
„Früher gehörte zur Erste-Hilfe-Ausbildung noch die Mund-zu-Mund-Beatmung, doch das ist überholt“, so Müller. Heute geht es ausschließlich um die Herzmassage. „Durch sie gelangt das restliche sauerstoffreiche Blut im Körper ins Hirn.“
Und so macht man es richtig: Als erstes die Person laut ansprechen. „Hören Sie mich?“ Schütteln Sie dann an den Schultern. Erfolgt keine Reaktion, die 112 anrufen oder jemanden damit beauftragen.
Dann den Brustkorb freimachen, den Ballen der einen Hand auf die Mitte der Brust legen. Die andere Hand darüber, Arme durchdrücken und dann kräftig das Brustbein fünf bis sechs Zentimeter nach unten drücken. Das ganze 100 bis 120 mal pro Minute wiederholen. Erst aufhören, wenn der Arzt eintrifft.
Auch Julia Elopolskaya aus Schmargendorf würde heute nicht mehr leben, wenn an dem Abend nach ihrer Geburtstagsfeier nicht ein Mann sie zufällig auf dem Nachhauseweg gefunden hätte. Sie war bis dahin topfit, sportlich und achtete auf gesunde Ernährung. „Ich hatte so ein unwahrscheinliches Glück, dass er sofort wusste, was zu tun ist“, strahlt die Musiklehrerin. „Er hat mir das wohl schönste Geburtstagsgeschenk gemacht. Mir wurde zweimal an einem Tag das Leben geschenkt.“
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