Kurioses Interview

Vierte nach Sturz, und trotzdem: Deutscher Lauf-Star hält sich für Europas „beste Hindernisläuferin“

Im EM-Finale über 3000 Meter Hindernis in Birmingham stürzt Lea Meyer auf Medaillenkurs am letzten Wassergraben. Gold holt Gesa Krause.

Foto von Autor/Autorin: Tobias Esters
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Lea Meyer bei der Leichtathletik-EM in Birmingham – im Finale über 3000 Meter Hindernis stürzte die 28-Jährige am letzten Wassergraben und wurde Vierte.

Lea Meyer bei der Leichtathletik-EM in Birmingham – im Finale über 3000 Meter Hindernis stürzte die 28-Jährige am letzten Wassergraben und wurde Vierte.

© Sven Hoppe/dpa

Es waren keine 200 Meter mehr, dann hätte Lea Meyer Europameisterin sein können. Am letzten Wassergraben im Finale über 3000 Meter Hindernis blieb die 28-Jährige aber hängen, landete im Wasser, rappelte sich auf und sah zu, wie drei Konkurrentinnen an ihr vorbeizogen. Das Interview nach dem Lauf ist dann allerdings ein sehr außergewöhnliches! 

Gesa Krause gewinnt – Olivia Gürth holt Bronze

Gold über 3000 Meter Hindernis holte am Donnerstagabend in Birmingham stattdessen Gesa Krause. Die 34-Jährige lief 9:12,69 Minuten und sicherte dem Deutschen Leichtathletik-Verband den ersten Titel dieser Europameisterschaft. Silber ging an die Französin Alice Finot (9:14,24), Bronze an Olivia Gürth (9:15,33). Meyer kam nach 9:17,07 Minuten als Vierte ins Ziel.

Vor dem Sturz hatten die Deutschen das Rennen bestimmt: Meyer ging schnell an, Krause blieb dran, das Feld zog sich früh auseinander. Nach gut zwei Kilometern wurde es vorne langsamer und taktischer und dann für Meyer bitter.

Der Moment, der Lea Meyer die Medaille kostet: Am letzten Wassergraben des EM-Finales über 3000 Meter Hindernis in Birmingham stürzt die 28-Jährige (rechts), während Gesa Krause (Mitte) und Alice Finot (links) vorbeiziehen.

Der Moment, der Lea Meyer die Medaille kostet: Am letzten Wassergraben des EM-Finales über 3000 Meter Hindernis in Birmingham stürzt die 28-Jährige (rechts), während Gesa Krause (Mitte) und Alice Finot (links) vorbeiziehen.

© Inpho Photography/IMAGO

Wenige Minuten nach dem Rennen stand Meyer sichtbar aufgewühlt vor der ZDF-Kamera. Auf die Frage nach ihrem Befinden antwortete sie: „Mir geht es scheiße.“ Ihren eigenen Fehler nannte sie im selben Atemzug „dämlich“ – gleichzeitig hielt sie daran fest, die Medaille verdient zu haben.

Bemerkenswert wurde das Gespräch, als es um die Siegerin ging. Über die Renntaktik ihrer Teamkollegin sagte Meyer im ZDF: „Die sitzt es immer aus und rennt dann hinten raus.“ Sie habe genau darauf gewartet und sei wachsam gewesen, so Meyer; gespürt habe sie den Angriff der Britin Elise Thorner und dann sei es passiert.

Gesa Krause (links) und Olivia Gürth feiern nach dem EM-Finale über 3000 Meter Hindernis in Birmingham mit der deutschen Fahne.

Gesa Krause (links) und Olivia Gürth feiern nach dem EM-Finale über 3000 Meter Hindernis in Birmingham mit der deutschen Fahne.

© Sven Hoppe/dpa

Krause selbst schilderte ihren Lauf im ZDF nüchtern: Sie habe auf der Gegengerade dagegengehalten, damit sei das Rennen entschieden gewesen. „Ich bin unfassbar dankbar, dass der Rennplan so gut aufgegangen ist“, sagte die Europameisterin.

In der Mixed Zone bleibt Meyer bei ihrem Urteil

Beim ersten Frust blieb es nicht. Später am Abend wiederholte Meyer in der Mixed Zone ihre Einschätzung und verschärfte sie: Das Rennen sage nichts darüber aus, wer Europas beste Läuferin sei, sondern nur, wer an diesem Tag die beste Wettkämpferin war. Ihr Satz dazu: „Ich halte mich selber für die beste Hindernisläuferin Europas.“

Zugleich nahm sie sich selbst hart in die Pflicht: Sie habe die Arbeit an der Spitze gemacht, aber schlecht gemacht, den Wind unterschätzt – enttäuscht und sehr sauer sei sie vor allem auf sich. Wer nach vorne gehe, müsse es richtig machen. Es war nicht ihr erster Sturz in einen Wassergraben: Bei der WM 2022 erwischte es sie nach ZDF-Angaben schon einmal.

Ihre Ankündigung für die Zukunft ist zugleich eine Ansage an die Frau, die gerade gewonnen hat: Bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles wolle sie die deutsche Rekordhalterin sein. Diesen Rekord hält bis heute Krause – 9:03,30 Minuten, gelaufen 2019. Meyers Bestleistung steht bei 9:09,13 Minuten.

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