Lastenräder

Bringen's die?

In Berlin wird nun getestet, ob Lieferverkehr auch anders geht.

Peter Neumann
Lesezeit 3 Min
Ein Sattelzug, aber ohne Motor. Der Hermes-Fahrer muss mächtig in die Pedale treten, damit es vorangeht. 

Ein Sattelzug, aber ohne Motor. Der Hermes-Fahrer muss mächtig in die Pedale treten, damit es vorangeht. 

© DAVIDS/Sven Darmer

Denn das kleine Ensemble abseits der Eberswalder Straße ist Schauplatz eines Modellprojekts, das ausloten soll, ob sich innerstädtischer Lieferverkehr umwelt- und klimafreundlicher gestalten lässt. Die weiße Budenstadt in Prenzlauer Berg ist ein Umschlagplatz der besonderen Art. Die größten Paketdienstleister Deutschlands nutzen die Container mietfrei als Mikro-Depots: DHL, dpd, GLS, Hermes und UPS.

Lautlos auf der letzten Meile: DHL beteiligt sich an dem Modellprojekt.  

Lautlos auf der letzten Meile: DHL beteiligt sich an dem Modellprojekt.  

© DAVIDS/Sven Darmer

Nicht mehr lange, dann werden hier Sprinter und andere Autos eintreffen, um Kuriersendungen, Päckchen und Pakete zu bringen. In den Containern, jeweils 14 Quadratmeter groß, mit Türen, Regalen und Stromanschlüssen, warten die Sendungen dann auf den Weitertransport.

Und da kommen sie auch schon um die Ecke, lautlos und abgasfrei: Zwölf Lastenräder sind auf dem 750-Quadratmeter-Grundstück, das der Bezirk Pankow kostenlos zur Verfügung gestellt hat, stationiert. Von hier aus werden sie ausschwärmen, je nach Betreiber in einem Umkreis von drei bis fünf Kilometern. Jedes Cargo-Bike kann ein motorisiertes Lieferfahrzeug ersetzen, heißt es bei Hermes.

Umweltsenatorin Regine Günther (li.) und Umweltministerin Svenja Schulze.  

Umweltsenatorin Regine Günther (li.) und Umweltministerin Svenja Schulze.  

© Gerd Engelsmann

Das auf ein Jahr befristete Modellprojekt, zu dem das Umweltministerium 403 386 Euro beisteuert, heißt Komodo – kooperative Nutzung von Mikro-Depots. „Es ist noch nicht die finale Antwort auf die Probleme, die wir lösen wollen“, gibt Andreas Weber von der Logistikberatung LNC zu bedenken.

„Aber es ist ein erster Gehversuch.“ Drei Buchstaben beschreiben, worum es geht: KEP. Das heißt Kurier, Express, Paket. Arzneimittel müssen zur Apotheke, Akten zum Steuerberater, Autoteile zur Werkstatt befördert werden. Dann sind da noch die vielen Internetbestellungen, die zu überbringen und bei Nichtgefallen wieder abzuholen sind.

Auch dpd betreibt am Mauerpark einen Umschlagplatz und Lastenräder. 

Auch dpd betreibt am Mauerpark einen Umschlagplatz und Lastenräder. 

© DAVIDS/Sven Darmer

„Allein 2016 wurden in Deutschland drei Milliarden Pakete ausgeliefert, mehr als zehn Millionen Sendungen pro Werktag“, so die Ministerin. „In Berlin fahren 2500 Fahrzeuge pro Tag 415.000 Sendungen aus“, sagt Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). Lieferautos tragen nicht nur zum Stau bei. Weil die Zahl der legalen Stellplätze sinkt und Lieferzonen zugeparkt sind, halten sie in zweiter Reihe oder auf Radspuren. Bei Twitter zeigen Radler unter #dhlillegal Schnappschüsse von Falschparkern. 

Mikro-Depots gibt es auch anderswo. Zum Beispiel in Frankreich: Dort betreibt die Firma La Petite Reine elektrische Lastenräder, die 180 Kilogramm befördern können. Sie ersparen jedes Jahr allein der Pariser Luft 203 Tonnen Kohlendioxid und 84 Kilo Feinstaub. In Deutschland ist Hamburg Vorreiter. Südlich der Binnenalster unterhält UPS vier Umschlagplätze. Cargo Bikes und Zusteller, die zu Fuß unterwegs sind, ersetzen rund zwei Dutzend Lieferautos.

Hohe Aufwendungen

„Das Neue an dem Projekt in Berlin ist, dass Paketdienstleister erstmals zusammen ein Grundstück nutzen“, so Weber. Das kann für andere Städte ein Vorbild sei. „Wir wollen hier auch testen, ob diese Art der Logistik zu wettbewerbsfähigen Kosten möglich ist“, sagte Lars Purkarthofer von UPS.

Denn derzeit sind die Aufwendungen höher als wenn Lieferautos direkt zu den Empfängern fahren würden. Im Vergleich dazu verursacht der Mikro-Depot-Einsatz Kosten, die zwei bis vier Mal höher sind, so der Bund.

Senat plant nächsten Standort

„Wir werden sehen, ob es sich lohnt“, so Marc Baumgarte von GLS. Solche Umschlagplätze seien nicht für alle Bereiche geeignet. Eine gewisse Bebauungsdichte werde benötigt, Räder haben einen kleineren Radius als Autos.

Im Fünf-Kilometer-Umkreis um die Micro-Depots am Mauerpark leben mehr als 800.000 Menschen. Der Senat plant schon den nächsten Standort für Mikro-Depots: in der Soorstraße in Charlottenburg. am Rande des Zentralen Omnibusbahnhofs.

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