Die meisten von uns sitzen viel zu viel. Auf der Arbeit am Schreibtisch, auf dem Heimweg im Auto oder in der Bahn, abends auf dem Sofa. Eine neue Studie zeigt, dass das Risiko, an Krebs zu sterben, mit jeder Stunde steigt, die wir am Stück sitzen, ohne aufzustehen.
Die gute Nachricht: Wer genauso lange sitzt, aber immer wieder hochkommt, senkt sein Risiko deutlich. Es zählt also nicht nur, wie viele Stunden wir sitzen – sondern ob wir sie am Stück absitzen.
So lief die Krebs-Studie
Ein Team der Universität Glasgow hat nachgerechnet, was langes Sitzen über die Jahre ausmacht. Dafür haben sich die Forscher die Daten von 91.292 Britinnen und Briten angesehen. Alle hatten eine Woche lang einen Bewegungsmesser am Handgelenk getragen, ähnlich einer Fitnessuhr. Danach ließ das Team gut zwölf Jahre vergehen und schaute nach, wer krank geworden und wer gestorben war. Die Studie erschien im Fachblatt PLOS Medicine.
Das Besondere: Die Forscher haben die Sitzstunden nicht einfach zusammengezählt. Sie haben geschaut, wie diese Stunden zustande kamen. Als „langes Sitzen“ galt dabei jeder Abschnitt ab 30 Minuten, in dem sich jemand so gut wie gar nicht bewegte.
Was schon kleine Bewegungen bringen
Und da zeigte sich: Jede zusätzliche Stunde, die am Tag in solchen langen Sitzphasen steckte, ging mit einem um neun Prozent höheren Risiko einher, an Krebs zu sterben.
Wer genauso lange saß, dabei aber immer wieder aufstand, lag pro Stunde 18 Prozent darunter.
Noch besser sieht es aus, wenn man Sitzzeit gegen Bewegung tauscht:
Eine Stunde weniger Dauersitzen, dafür etwas leichte Bewegung – gemütlich gehen, abwaschen, Wäsche aufhängen: zwölf Prozent weniger Risiko.
Eine halbe Stunde gegen zügiges Gehen getauscht: acht Prozent.
Und fünf Minuten strammes Tempo oder Joggen statt Sitzen bringen laut den Autoren der Studie sogar ein 22 Prozent niedrigeres Risiko, an Krebs zu sterben.
Die Grenzen der Studie zu Sitzen und Krebs
Bevor jetzt jemand den Timer auf 30 Minuten stellt: Diese Studie beobachtet nur. Sie zeigt, dass zwei Dinge zusammen auftreten – nicht, dass das eine das andere verursacht. Das schreibt das Team auch selbst.
Wer ohnehin krank oder gebrechlich ist, sitzt eben mehr. Dazu kommt: Gemessen wurde nur eine einzige Woche, und ob jemand im Büro saß, im Auto oder vor dem Fernseher, weiß niemand.
Die 30 Minuten sind kein Wert, den die Forscher gezielt getestet haben. Es ist die Grenze, die sie gezogen haben, um „lang“ von „unterbrochen“ zu trennen.
Das sollten Viel-Sitzer im Alltag tun
Eine offizielle Obergrenze fürs tägliche Sitzen gibt es nicht. Dafür weiß man schlicht noch zu wenig. Die Weltgesundheitsorganisation etwa rät ganz allgemein: weniger sitzen, mehr bewegen. Und zwar egal, wie anstrengend.
Heißt für den Alltag: Nutzen Sie jede Gelegenheit, zwischendurch ein paar Schritte zu gehen. Telefonieren Sie im Stehen. Schalten Sie beim Streamen auf Pause und machen Sie kleine Gymnastikübungen. Gehen Sie nach dem TV-Krimi nochmal vor die Tür für einen kleinen Abendspaziergang.
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