Kultzeichner Werner Klemke

Film enthüllt: So rettete er Juden vor den Nazis

Der Illustrator fälschte Dokumente, die 300 Menschen vor dem Tod bewahrten.

Cornelia Schmalenbach
Lesezeit 2 Min
Werner Klemke (1917 - 1994)

Werner Klemke (1917 - 1994)

© privat, „Treffpunkt Erasmus“ Lizenz

Werner Klemke, Tischlersohn aus Weißensee und Jahrgang 1917, diente bei der deutschen Wehrmacht als Soldat in einer Schreibstube. So kam er in die Niederlande. In der Buchhandlung Erasmus, sie gab dem Film den Namen, lernte er den Inhaber und dessen Freundeskreis kennen. Für ihn fälschte Klemke Dokumente, Lebensmittelkarten und Pässe. Mehr als 300 Juden wurden damit gerettet. Werner Klemke hat über diese Zeit in den besetzten Niederlanden nie gesprochen, er starb 1994. Sein Sohn Christian und die drei Töchter Sabine, Christine und Ulrike waren völlig ahnungslos, als sich 2011 bei ihnen eine Frau meldete. Annet Betsalel hatte in einer Synagoge in der Nähe von Amsterdam durch Zufall Dokumente gefunden, deren Spur zu Werner Klemke führten.

Mit Hilfe des Kriegstagebuchs des Illustrators und späteren Professors an der Hochschule für Bildende Kunst in Weißensee, entstand daraus ein bewegender Film über einen sehr humorvollen, wenn auch stillen und bescheidenen Mann, der sich selbst nie als Held gesehen hat.

Im Film erzählen seine Kinder über ihr Familienleben, nennen den Vater einen „durch und durch albernen Ur-Berliner“. Er muss zufrieden mit seinem Leben gewesen sein, denn seine Zeichnungen sind humorvoll, voller Fantasie und sehr liebevoll. Allein der Kater, Klemke selbst soll übrigens nie einen echten besessen haben, zierte 423 Titelbilder. Er illustrierte 800 Bücher, darunter viele Schulbücher, Grimms Märchen, das Kinderbuch Hirsch Heinrich und Von Anton bis Zylinder ein Lexikon für Kinder. Für seine frivolen Holzstiche zu Boccaccios „Dekameron“ ernannte die Geburtsstadt des italienischen Renaissance-Dichters ihn zum Ehrenbürger.

Für „Treffpunkt Erasmus“ animierte Filmemacherin Annet Betsalel etliche gezeichnete Figuren aus dem Kriegstagebuch und verwendete Szenen aus dem Archiv des DDR-Fernsehens. Im Mai lief der Dokumentarfilm auf dem Jüdischen Filmfestival in Berlin und Potsdam, jetzt ist er endlich bei uns im Kino.

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