Kühles Blondes

Auf ein Bier mit dem KURIER

Es zischt. Es erfrischt. Es ist Kult. Eine Reise in Kneipen, zu den Brauern und Mythen.

Anne-Kattrin Palmer
Lesezeit 5 Min
Einfach beliebt und vor allem gerade im Sommer gerne getrunken: Bier ist nicht umsonst in Deutschland Nationalgetränk. Nur die Tschechen konsumieren mehr als wir von dem Gerstensaft.

Einfach beliebt und vor allem gerade im Sommer gerne getrunken: Bier ist nicht umsonst in Deutschland Nationalgetränk. Nur die Tschechen konsumieren mehr als wir von dem Gerstensaft.

© picture alliance / dpa Lizenz

Es ist kühl, es ist in der Regel blond – und heiß begehrt. Fast gleichrangig mit der Fußball-Nationalmannschaft oder einem Ferrari.

Die Deutschen stehen gerne im Ruf, eine Bier-Nation zu sein.

Ja, warum auch nicht? Schmeckt doch – vor allem im Sommer.

Mehr als 6000 Sorten werden allein bei uns in 1300 Brauereien hergestellt.

Und: Sieben Minuten braucht ein anständig gezapftes Pils. Sieben Minuten! Nehmen Sie sich doch mal diese Zeit zur großen KURIER-Bier-Lektüre. Kurioses und Ernstes rund um den Gerstensaft.

Und vorweg eine der vielen Anekdoten. Wenn Ameisen von Bier betrunken sind, werden sie von den nüchternen Krabbel-Kollegen heim getragen, entdeckten Forscher ...

Wer hat das Bier erfunden? Vor mehr als 6000 Jahren entdeckten die Sumerer den Gärungsprozess mit Hilfe von Wasser und Brot. Das Gebräu galt fortan als Medizin. Doch es muss irgendwann auch als Genussmittel produziert worden sein: Archäologen entdeckten eine rund 4500 Jahre alte Brauerei.
Das führten die Babylonier weiter. Bier war das Nonplusultra. Ein König erließ sogar ein Gesetz, das besagte, dass jede Frau, die schlechtes Bier serviert, ertränkt werde. Ganz schön grausam! Die Babylonier kamen auf ehrgeizige 20 verschiedene Biersorten. Trübe, meist ungefilterte Sorten, die sogar nach Ägypten „exportiert“ wurden.

Ein amerikanischer Archäologe fand heraus, dass Pyramidenbauer im alten Ägypten pro Tag rund vier Liter Bier tranken. Gut, es war gesünder als das verschmutzte Nilwasser. Aber sie waren eben immer bedüdelt.

Und noch eine wunderbare Anekdote. Auch wenn es die Männer schockt: Die ersten Bierbrauer waren Frauen!

Was gibt es für Mythen? Neben dem Bierbauch viele weitere. Die alten Wikinger glaubten, dass nach ihrem Tod in Walhalla eine riesige Ziege namens Heidrun auf sie wartet, aus deren Euter Bier fließt. Im 19. Jahrhundert tranken viele Mütter aus München bis zu sieben Gläser Bier pro Tag: Sie glaubten, nur so ihre Kinder stillen zu können.

Und – jetzt müssen Flaschen-Liebhaber tapfer sein: Dosen sind meistens besser für Bier. Auch wenn viele an dem Mythos Glas und Gerstensaft festhalten. Braune Flaschen sind noch okay, aber grüne sind schon nicht so gut und weiße gehen gar nicht.

Wann kam der Gerstensaft nach Deutschland? Bei uns war es im frühen Mittelalter vor allem bei den Mönchen in den Klöstern beliebt und das – hicks – vor allem in der Fastenzeit, denn es galt der Leitsatz: Liquida non frangunt leunum (Flüssiges bricht das Fasten nicht).

Um auch ganzjährig ein kühles Blondes zu schlabbern, entwickelten sie die Braukunst stetig weiter: In der Zeit Karls des Großen, um 800 nach Christus, gab es allein in Bayern etwa 300 Klosterbrauereien.

Wo war Bier noch beliebt? Bremen. Dort war das Gebräu um das Jahr 1300 der Hit. Von dort wurde Bier zum Beispiel nach Holland, England oder Skandinavien exportiert. Um 1500 nannte sich dann Hamburg „Brauhaus der Hanse“ – dort gab es immerhin auch 600 Brauereien. Die Hanse verschiffte das Bier bis nach Indien.

Auf eine alte Brautradition kann auch Berlin zurückblicken: Friedrich Wilhelm I. machte den Gerstensaft dort zu Beginn des 18. Jahrhunderts hoffähig. Das war auch in etwa die Zeit, als das Bier in Deutschland zu seinem großen Siegeszug ansetzte.

Und ab wann gab es das Reinheitsgebot? Es geht auf den bayerischen Herzog Wilhelm IV. zurück, der mit seinem Erlass die Qualität des Bieres dauerhaft sichern wollte. Seither sind Gerste, Hopfen und reines Wasser als Zutaten erlaubt.

Zuwiderhandlungen werden bestraft. Weizen und Roggen sollten, so damals der herzögliche Plan, den Bäckern vorbehalten bleiben. Das Reinheitsgebot wurde am 23. April 1516 erlassen. An diesem Datum wird jedes Jahr der „Tag des deutschen Bieres“ gefeiert. Der Internationale Tag des Bieres findet jährlich am ersten Freitag im August statt.

Wie viel Bier trinken wir? Jeder Deutsche laut Statistik pro Jahr rund 107 Liter. Das ist Platz 2. Die Tschechen konsumieren am meisten: 144 Liter Bier pro Jahr. Es gab auch schon bierselige Rekorde: Steven Petrosino trank 1977 einen Liter in 1,3 Sekunden. Der Rekord des Amerikaners ist bis heute ungebrochen.

Schadet es der Gesundheit? Forscher wollen herausgefunden haben, dass Menschen, die täglich ein oder zwei Gläser Bier trinken, eine höhere Lebenserwartung haben. Bestimmte Inhaltsstoffe schützen zum Beispiel Zellen und Gefäße vor Fettablagerungen und können somit das Risiko eines Herzinfarktes verringern. Okay, gut zu wissen. Wichtig ist trotzdem: Maßhalten!

Was sind die besten Exporte? Verkaufsschlager in den USA ist zum Beispiel das „St. Pauli Girl“. Doch das Bier wird nicht – wie der Name vermuten lässt – in Hamburg gebraut, sondern in Bremen.

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