Krebserkrankung

Er lacht dem Tod ins Gesicht

Erik Klimmek (28) ist unheilbar an Krebs erkrankt, doch er kämpft, lebt, liebt.

Kerstin Hense
Lesezeit 4 Min
Erik Klimmek.

Erik Klimmek.

© camcop media / Andreas Klug

Die Geschichte von Erik Klimmek hört sich an wie ein medizinisches Wunder: Wer ihm begegnet, ist zunächst verdutzt, weil er alles andere als schwerkrank aussieht. Seine grün-braunen Augen strahlen. Die Frisur ist geschickt gestylt, die dunkelblonden Haare verdecken die 16 Zentimeter lange Narbe über seiner rechten Schläfe. „Ich fühle mich sehr gut“, sagt Erik und lacht. Sein lautes, fast dröhnendes Lachen ist auch aus der Entfernung nicht zu überhören. Es ist kaum zu glauben, welche Odyssee er in den letzten 20 Monaten durchgemacht hat. 

Sogar wenige Stunden nach der schweren OP macht Erik schon wieder Scherze.

Sogar wenige Stunden nach der schweren OP macht Erik schon wieder Scherze.

© Erik Klimmek

Am zweiten Weihnachtstag 2016 erleidet Erik beim Frühstück mit der Familie einen epileptischen Anfall. Im Krankenhaus bekommt er die niederschmetternde Diagnose: Ein Glioblastom, ein 2,5 Zentimeter großer bösartiger Hirntumor, der äußerst schnell wächst, wütet in seinem Gehirn. Erik beschreibt ihn selbst „wie eine Krake, die sich mit ihren Fangarmen ausbreitet.“ Es folgen zwei Operationen, die erste muss nach sechs Stunden wegen Komplikationen abgebrochen werden, im Anschluss folgen Bestrahlungen und Chemotherapie. 

Die Ärzte machen Erik keine Hoffnung, er gilt medizinisch gesehen als „austherapiert“. Erik ist ein lebenslustiger junger Mann, der früher fast jede Party mitgenommen hat. Auf einmal weiß er nicht mehr, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Doch statt zu jammern und sich im Selbstmitleid zu versinken, wie es in dieser Situation verständlich gewesen wäre, wehrt sich Erik mit einem ungewöhnlichen Mittel. Seinem Humor.

Er fängt noch am Klinikbett an zu bloggen und schreibt voller Optimismus über seine Krankheit. Sogar als ihm nach den Nebenwirkungen der Chemotherapie übel ist und er vor Müdigkeit kaum aus dem Bett kommt, hat er noch positive Worte. Er schreibt ausführlich über seinen Alltag in der Klinik, die zahlreichen medizinischen Eingriffe und über seinen Ärger mit dem Gesundheitssystem. Manche Sätze lesen sich auch makaber: „Ich bin behindert und habe auch noch Spaß dabei“ schreibt Erik.

Erik bloggt über sein Schicksal (rummelschubser.de) und überrascht  mit seinem positiven Umgang  mit der Krankheit.  Hier zeigt er sein Essen in der Klinik. 

Erik bloggt über sein Schicksal (rummelschubser.de) und überrascht  mit seinem positiven Umgang  mit der Krankheit.  Hier zeigt er sein Essen in der Klinik. 

© Erik Klimmek

Damit kommen nicht alle klar. Manche Freunde denken, dass er seine Krankheit überspielt. Vor allem seine Mutter ist wenig erfreut an dieser Art von Humor. „Sie denkt, ich nehme meine Krankheit nicht ernst“, sagt er. Aber Erik sieht das anders. Er möchte anderen Menschen Mut machen, die wie er unheilbar krank sind oder in Lebenskrisen stecken. „Ich habe die Diagnose akzeptiert, nicht aber die Prognose“, sagt er. Das Testament und die Patientenverfügung liegen längst unterzeichnet in der Schublade. Sogar seine eigene Beerdigung hat er mit 28 Jahren schon geplant. „Es soll für alle eine Überraschung werden.“ Die restliche Zeit, die ihm noch bleibt, will Erik genießen. Mit allen Sinnen. Er reist nach Südafrika, um seine Cousine, die dort wohnt, vielleicht ein letztes Mal zu besuchen und nach Portugal zum Campen. Und er hat Pläne: Auf dem Seychellen will er im kommenden Jahr noch Urlaub machen.

Erik ist Teil des Patientenprogramms beim Wissensportal leafly.de. Die Cannabis-Therapie hilft ihm gegen Schmerzen und Appetitlosigkeit. Seit elf Monaten arbeitet Erik sogar wieder Vollzeit bei einer Hausverwaltung.

Doch wie erklärt er sich das medizinische Wunder? „Nichts ist so stark, wie der Glaube an die eigene Kraft“ , ist Eriks Lebensmotto. Das Ergebnis des MRT im Juli macht ihm Mut. Der Resttumor geht zurück. Seit kurzem hat er wieder eine Freundin, die ihm gut tut. Er sagt: „Für mich geht es jetzt erst richtig los.“

Eriks Blog: rummelschubser.de

Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com

Lesen Sie mehr zum Thema