Kopfschuss-Mord im Kleinen Tiergarten

Bundesanwaltschaft schaltet sich ein

"Gründliche Untersuchung" von Menschenrechtsorganisation gefordert

Philippe Debionne_richtig
Lesezeit 3 Min
Bei dem Ermordeten handelt es sich um Zelimkhan K. aus Georgien.

Bei dem Ermordeten handelt es sich um Zelimkhan K. aus Georgien.

© BLZ

Ein Sprecher sagte am Montag, man habe „die Sache im Blick“ und stehe “in engem Kontakt mit der Berliner Justiz“. Eine Übernahme des Falls durch den Generalbundesanwalt wäre denkbar, wenn der Verdacht auftauchen sollte, dass hinter der Tat der „Geheimdienst einer fremden Macht“ stehen könnte. Für die Verfolgung „geheimdienstlicher Agententätigkeit“ ist die Spionage-Abteilung der Bundesanwaltschaft zuständig. 

Mord in Moabit: Terrorismusabwehrzentrum kannte das Opfer

Der WDR berichtet unterdessen, dass K. aus Deutschland abgeschoben werden sollte. Demnach sei der Mann 2015 nach Deutschland gekommen, habe zunächst in Brandenburg gelebt und sei im Jahr 2017 nach Berlin gezogen. Der hiesige Staatsschutz habe ihn zunächst als islamistischen Gefährder eingestuft. Ein Gefährder gilt in Sicherheitskreisen als eine Person, der jederzeit eine schwere Straftat zugetraut wird. 

Ermittler der Spurensicherung am Tatort im Kleinen Tiergarten in Moabit.

Ermittler der Spurensicherung am Tatort im Kleinen Tiergarten in Moabit.

© Klug

Laut WDR sei über Zelimkhan K., der als Anhänger der tschetschenischen Terrorgruppe „Kaukasisches Emirat" gegolten haben soll, mehrfach beim gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) von Polizei- und Verfassungsschutzbehörden gesprochen worden. Unter anderem auch in der Arbeitsgruppe "Status", die sich innerhalb des GTAZ mit Abschiebungen gefährlicher Islamisten befasst. 

Letztlich sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass von K. keine Gefahr mehr ausging, weshalb er bereits seit dem vergangenen Jahr nicht mehr als Gefährder geführt worden sei. Unabhängig von dieser Einstufung sei sein Asylantrag aber abgelehnt worden. Deshalb war K. ausreisepflichtig und sollte abgeschoben werden. Dagegen hatte der Mann zuletzt geklagt.

Mord in Moabit: Tatverdächtiger in Untersuchungshaft

Ob es sich bei dem Mord um ein politisches Attentat oder eine Abrechnung im kriminellen Milieu handelt, ist nach wie vor nicht klar. Die Staatsanwaltschaft hält sich mit Details aufgrund der möglichen politischen Brisanz des Falls mit Informationen zurück. 

Auch zur Identität des Mannes macht die Staatsanwaltschaft nach wie vor keine Angaben. Anders das „Human Rights Education and Monitoring Center“, kurz EMC. Die Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Georgien beschäftigte sich bereits mit einem früheren, im Jahr 2015 auf Zelimkhan K. verübten Mordanschlag. 

Damals wurden acht Kugeln auf den Mann abgefeuert, nur durch Zufall und mit schweren Verletzungen überlebte K. damals. Die Hintergründe wurden nie geklärt, der oder die Täter sind bis heute unbekannt. Das ist im aktuellen Fall anders: Ein aus Russland stammender, bereits kurz nach dem Mord festgenommener Tatverdächtige sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

Menschenrechtler fordern gründliche Untersuchung

Eine Polizistin spricht in Tatortnähe mit einem Passanten. 

Eine Polizistin spricht in Tatortnähe mit einem Passanten. 

© Klug.

Nun hofft man beim EMC, dass „die Bundesrepublik Deutschland eine gründliche Untersuchung durchführen und die Täter ermitteln kann“, teilte die Organisation mit. Es sei „wichtig, die Episode des Anschlags vom Mai 2015 in Tiflis während der Mordermittlung zu berücksichtigen“. Zudem hoffen die Menschenrechtler nach eigenen Angaben, dass „die Staatsanwaltschaft Georgiens effektiv mit den deutschen Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeitet, um die Wahrheit festzustellen und die Täter zu bestrafen“.

Ein aus Russland stammender, bereits kurz nach dem Mord festgenommener Tatverdächtiger sitzt derzeit hinter Gittern. Ein Richter hatte dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Untersuchungshaft stattgegeben.  

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