Opfer Zelimkhan K. lebte viele Jahre in Angst vor einem Mord-Anschlag des russischen Staats. Wie die ARD berichtet, warnte er schon 2017 das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vor einem möglichen Komplott. Bei einer Asyl-Anhörung habe Zelimkhan K. erzählt, dass „russische Organe“ seine Ermordung planen würden. Sollte er nach Russland zurückkehren, sei sein Schicksal besiegelt. Aber auch in Berlin war Zelimkhan K. nicht sicher: Am 23. August dieses Jahres spazierte er durch den Kleinen Tiergarten, als sich ein Fremder auf einem Fahrrad von hinten näherte. Der Mann schoss K. in den Kopf. Es war eine Exekution.
Mord im Kleinen Tiergarten: Neue Erkenntnisse über den Täter
Schon kurz nach der Tat kamen erste Spekulationen über eine russische Verschwörung auf. Eine Demo, an der auch die Witwe des Getöteten teilnahm, zog vor die russische Botschaft in Berlin. Jetzt gibt es laut ARD und „Spiegel“ neue Erkenntnisse über den Täter, der auf der Flucht gefasst worden war und laut Pass Vadim Sokolov heißt. Die Ermittler stießen jüngst auf einen identisch ausgeführten Mord in Russland 2013, bei dem der mutmaßliche Täter Vadim Krasikov hieß – und fast genauso aussah wie Sokolov.
Ein Sprecher von Präsident Wladimir Putin hat eine Verwicklung Russlands in den Mord bestritten.
© dpa
Per Gesichtserkennungssoftware wurden Fotos von Krasikov und Sokolov verglichen. Das Ergebnis: Eine Übereinstimmung von über 80 Prozent. Hat der russische Staat einen Mörder als Attentäter angeheuert? Fest steht, dass Russland die internationale Fahndung nach Krasikov 2015 überraschend einstellte.
Besuch von russischen Diplomaten
Vadim Sokolov, der wahrscheinlich Krasikov ist, sitzt nun in Berliner U-Haft und schweigt. Einmal soll er Besuch von russischen Diplomaten bekommen haben. Deutsche Ermittler fanden zudem über ihn heraus: Sokolov war über Paris in die EU eingereist und hatte zuvor im französischen Konsulat ein Visum beantragt. Die dabei benutzte Faxnummer soll einer Firma gehören, die mit dem russischen Verteidigungsministerium in Verbindung steht.
Täter Vadim Sokolov (alias Krasikov) soll im Dienst des Kreml stehen.
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Sokolovs Reisepass soll zudem in russischen Datenbanken gesperrt sein mit dem Hinweis, der Pass-Inhaber sei „vom Gesetz geschützt“. Kurzum: Nach jetzigem Stand ist die Fährte nach Russland die beste und einzig aussichtsvolle Spur der Fahnder.
War es ein staatlicher Auftragsmord?
Opfer Zelimkhan K. (40) wurde am 23. August in Berlin erschossen.
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Der im Raum stehende Verdacht eines staatlichen Auftragsmordes wiegt für die Bundesanwaltschaft schwer. Sie will noch in den nächsten Tagen entscheiden, ob sie die Ermittlungen an sich zieht und das Berliner LKA ablöst. Damit würde Deutschlands oberste Strafverfolgungsbehörde Moskau offiziell des Staatsterrorismus beschuldigen. Eine diplomatische Krise zwischen Berlin und Moskau wäre programmiert. Ein Sprecher von Präsident Wladimir Putin hat eine Verwicklung Russlands in den Mord bereits bestritten.
Doch welches Interesse sollten die Russen gehabt haben, Zelimkhan K. zu töten? Naheliegende Antwort: Er hatte als Rebellenführer für die Tschetschenen gegen Russland gekämpft.
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