Eine Krise ist nie gut. Und obwohl es den richtigen Moment dafür gar nicht gibt, kommt sie natürlich auch immer zum falschesten Zeitpunkt. Fragen Sie mal nach beim 1. FC Union. Nach vier Jahren Dauer-Aufwind herrscht in Köpenick ausgerechnet am Beginn der ersten Saison in der Champions League Flaute im Sturm. Ein Tor würde den Eisernen so verdammt guttun ...
Urs Fischer (57) versteht die Fußball-Welt kaum noch. Das 0:1 bei Aufsteiger Heidenheim – wettbewerbsübergreifend die fünfte Pleite am Stück und die traurige Krönung eines Torlos-Septembers – ließ den sonst so coolen Schweizer beinahe verzweifeln: „Wir machen über 90 Minuten wirklich ein gutes Spiel, haben genügend Möglichkeiten. Aber wir belohnen uns nicht, und dann sieht die Situation aus, wie sie ist.“
Den letzten Treffer konnte Union am 26. August (!) bejubeln, aber Robin Gosens 1:1 (28.) reichte schon beim 1:2 in Wolfsburg nicht für Zählbares. Was Vier-Tore-Blitzstarter Kevin Behrens, Sheraldo Becker, David Fofana und Co auch versuchten – das Runde wollte bei den Köpenickern einfach nicht mehr ins Eckige. Kapitän Christopher Trimmel: „Es passt hinten und vorne nicht ganz. Zu viele Fehler, schlechte Chancenverwertung, das nagt schon am Selbstvertrauen.“
Braga ist für den 1. FC Union fast ein Endspiel
In der Liga dichter an den Abstiegsplätzen dran als an den Spitzenrängen und in Europa das vielleicht wichtigste Spiel vor der Brust. Am Dienstag kommt Sporting Braga ins Olympiastadion (18.45 Uhr). Aller Voraussicht nach der Gegner, mit dem sich Union in der Champions-League-Gruppe C um Platz drei streitet, der zum Überwintern in der Europa League (durchaus ein Ziel der Eisernen) berechtigt. Ein Sieg gegen die Portugiesen ist beinahe Pflicht. Ein 1:0 wäre schon super, aber auch für das muss man ja erst mal treffen.
Aber wie soll das gehen, mit nur 72 Stunden Pause zwischen zwei Spielen? Das fragt sich auch Urs Fischer. „Was kannst du machen? Groß trainieren werden sie nicht. Von daher werden wir auch keine Einheit haben, in der wir Richtung Tor gehen.“ Klingt nicht rosig.
Union-Manager Oliver Ruhnert schlägt Alarm
Doch während sich der Trainer aufs Geschehen auf dem Platz konzentriert, hat Oliver Ruhnert (51) das große Ganze im Blick. Und da entdeckte der Manager anscheinend Dinge, die man fernab der Allzeit-Geerdeten von der Wuhle wähnte.
Ruhnert: „Wir sind ja international schon im dritten Jahr. Jetzt scheint es aber in dieser Saison noch mal eine andere Qualität zu haben, weil wir auch sicherlich viele Dinge im Kopf haben und nicht ausschließlich die Bundesliga. Und vielleicht gehen dann entscheidende Prozente ein bisschen verloren.“
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com