Es ist eine Eigenheit vieler großer Menschen, dass sie auch große Schatten werfen. Das Dunkle in Helmut Kohls Leben, die Menschen, die er enttäuschte und verletzte, die Piefigkeit, mit der er die Bundesrepublik überzog, die sture Bräsigkeit, die zur Boshaftigkeit werden konnte – all das wissen wir von ihm.
Es führte dazu, dass er von den Deutschen nie wirklich geliebt wurde, mit Ausnahme vielleicht einiger weniger Monate nach dem Mauerfall in der DDR. Muss man diesem Machtmenschen aber nicht dankbar sein? Sein Eintreten für Europa, die Freundschaft mit Frankreich, die deutsche Einheit – schulden wir ihm dafür nicht etwas? Ja, wir schulden ihm Respekt!
Respekt für seine Standfestigkeit und seinen Instinkt in den Monaten nach dem Mauerfall. Sie waren ein Glücksfall für Deutschland. Respekt für seinen unverbrüchlichen Glauben an unser Recht auf eine vereinte Nation. Respekt für seine tiefe Überzeugung, dass Deutschland seinen Weg nur in der Gemeinschaft der Freien finden kann.
Verglichen mit heute war Helmut Kohls Welt überschaubar – trotz der Wirrnisse rund um den Fall des Eisernen Vorhangs. Sein Tod weckt deshalb seltsam nostalgische Gefühle. An eine Zeit, in der ein großer Mann noch die Welt verändern konnte.
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