Köpenick

Union-Fan setzt Union-Kiez ein Denkmal

Marcus Schuster veröffentlicht einen Bildband über den Ortsteil Oberschöneweide.

Mathias Bunkus
Lesezeit 3 Min
Marcus Schuster sitzt mit seinem Bildband auf dem Kaisersteg.

Marcus Schuster sitzt mit seinem Bildband auf dem Kaisersteg.

© Berliner Kurier/Mathias Bunkus

Große Dinge fangen manchmal klein an. In diesem Falle hatte der Stein des Anstoßes ein Format von 10,5 x 15 Zentimeter. Mehr nicht! Marcus Schuster (26), Fußballfan  und gebürtiger Köpenicker, sammelte Postkarten mit Ansichten der alten Industriebauten, Brücken und Häuser in Schöneweide. Und hat diese reproduziert und die alten Motive neu abfotografiert. Mit teilweise 100-jährigem Abstand! Herausgekommen ist der 128 Seiten dicke Bildband „Oberschöneweide“.

Die Idee, daraus ein Buch zu machen, kam ihm nach Diskussionen im Familienkreis. Alles alteingesessene Köpenicker. Was war hier einst? Wie sieht es heute aus? Wie wird sich das entwickeln?

„Zeitzeugen gibt es ja keine mehr aus der Gründerzeit“, erzählt Schuster, der im tiefsten  Köpenick groß wurde. Und natürlich dadurch auch Union-Fan ist.  Die Waldseite im Stadion an der Alten Försterei ist sein zweites Zuhause. „Was Anderes ist  nicht vorstellbar, wenn man hier aufwächst“, so Schuster.  44 Postkarten mit den Ansichten der alten Fabrikgelände oder sonstiger Köpenicker Ausflugsziele aus der Wilhelminischen Zeit hatte er erst gesammelt. Nicht genug Auswahl für ein Buch.
Denn schnell musste er feststellen, dass sein Hobby kompliziert werden konnte. Schuster sagt:  „Für die  richtig guten, ganz alten Postkarten muss man ’ne Stange Geld für hinlegen.“ Also musste ein anderer Weg gefunden werden. Archivarbeit war deshalb angesagt. Marcus wühlte sich durch die Asservatenkammer des Heimatmuseums Köpenick. Er stöberte und begann die alten Postkarten zu reproduzieren.

Das Original des Kaiserstegs wurde von den Nazis gesprengt.

Das Original des Kaiserstegs wurde von den Nazis gesprengt.

© Schuster

Der Kaisersteg ist die Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Spree.

Der Kaisersteg ist die Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Spree.

© Schuster

Dann kam die eigentliche Aufgabe. Zwischen Dezember und Februar machte er sich mit seiner Nikon D7000 auf die Jagd, marschierte kreuz und quer durch die Gegend. Suchte die Stellen, die auf den alten Postkarten zu sehen sind. Es  galt die genauen Standorte zu finden. Der Winkel musste stimmen. Das Licht natürlich auch. Und es gab auch Enttäuschungen. „Gerade die alten Ausflugslokale und Kneipen gibt es heute nicht mehr.

Da hat sich viel geändert“. Bei manchen Aufnahmen half die Firma Jokeair mit ihren Drohnen. „Die haben die Genehmigungen besorgt und dann aus der Luft fotografiert“. Auch der Industriesalon Schöneweide unterstütze ihn. Dort hatte er sogar eine kleine Ausstellung. Doch der Traum von seinem eigenen Fotobuch wäre ohne Jochen Lesching nicht Wirklichkeit geworden. Das Aufsichtsratsmitglied von Union und Inhaber der Druckerei „vierC“ brachte das „Soloprojekt“, das Marcus einst nur für sich selber auf den Weg brachte, zu Papier. In limitierter Auflage. Mehr als 500 Exemplare wurden nicht gedruckt! 

Die Alte Försterei, die Heimat des 1. FC Union.

Die Alte Försterei, die Heimat des 1. FC Union.

© dpa/Annegret Hilse

Der Clou an dem Fotobuch: Es enthält nicht nur wunderschöne Bilder, sondern hält auch zwei Wanderrouten durch das Herz der alten Oberschöneweider Industriearchitektur parat. Schuster: „Dadurch kann jeder mit dem Buch wie mit einem Wanderführer durch Köpenick laufen und sich alle Abbildungen im Original anschauen.“

Erhältlich ist das gute Stück (18,89 Euro) im Union-Fanshop oder direkt bei www.edition-else.de. KURIER-Leser können mit etwas Glück sogar ein Buch umsonst bekommen. Einfach eine Mail an aktion@berliner-kurier.de schicken. Wir verlosen fünf Exemplare mit Widmung des Autors. Viel Glück!

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