4:0 für die Brause-Kicker? Auf dem Papier ist das möglich. Sie sind klarer Favorit. 15,6 Millionen Euro haben die Sachsen in diesem Sommer für Neuzugänge ausgegeben und richtig gute Kicker geholt. Angreifer Davie Selke (20) für acht Millionen zum Beispiel. Der kam von Erstligist Werder Bremen und hat schon zwei Mal in den ersten vier Ligaspielen getroffen.
Mentalität schlägt Qualität
Doch Union-Coach Norbert Düwel ist das alles egal: „Klar wünscht sich jeder Trainer, dass er so viel Geld zur Verfügung hat. Aber ich bin über das glücklich, was wir haben. Wir haben vielleicht nicht das Geld, dafür aber viele andere Sachen, auf die wir stolz sein können. Wir wollen wie in der letzten Saison zeigen, dass Mentalität Qualität schlagen kann.“
Dafür ist allerdings 100?Prozent Union nötig. Jeder kritische Gedanke ist fehl in der Alten Försterei. Um die Bullen schlagen zu können, muss alles passen. Muss jeder eine Top-Leistung abrufen. Spieler, Trainer, Fans. Die Anhänger müssen ab der 16.?Minute (davor gibt es wieder einen Schweige-Protest) ihre eisernen Fußball-Götter nach vorne brüllen, so laut, wie sie es noch nie getan haben. Gemecker und Genörgel kann niemand gebrauchen.
Seit Trainer Düwel im Sommer 2014 nach Köpenick kam, wird unter den Anhängern viel gesabbelt. Viel bessergewusst und viel kritisiert. Auch jetzt wieder. Klar, der Start in die Saison war holprig. So mit Pokal-Aus bei einem Regionalligisten. So mit ohne Dreier nach vier Spieltagen. Das ist nicht zum Jubeln. Aber: In vier von fünf Pflichtspielen führten die Eisernen, nur beim 0:0 in München nicht.
Heißt, sie hätten aus eigener Kraft alle Partien gewinnen können. Das letzte Quäntchen hat nur gefehlt. Mittlerweile kann Union bei und gegen jeden Zweitligisten gewinnen. Es ist möglich. So weit waren die Köpenicker noch nie. Da ist klar eine Entwicklung zu erkennen. Die 2014 begann, als Düwel kam, und die ist noch lange nicht zu Ende. Kann sie auch gar nicht sein.
Union hat in den letzten zwei Sommerpausen Komplett-Umbrüche hinter sich. Die waren auch notwendig. Solche Umbauarbeiten sind nur möglich, wenn der Verein stabil und in der Liga etabliert ist. Oder nach einem Abstieg, wenn ein Team auseinander fällt. Letzteres ist bei den Eisernen der Fall. Das ist für den sympathischen Chaos-Klub von vor zehn Jahren, für den damals kräftig geblutet wurde, eine Riesenleistung.
Auch Düwel hat Fehler gemacht - aber der Trend stimmt
Darauf sollte sich jeder Rot-Weiße mal wieder besinnen und den Trainer machen lassen. Natürlich hat auch Düwel nicht alles richtig gemacht bisher. Zu sagen, dass man vorne mitspielen will, ist noch lange keine Garantie dafür, dass das auch klappt. Die Aussage war unglücklich. Erst recht bei neun Neuen, die im Sommer kamen. Erstmal reinkommen in die Saison und dann alles raushauen, was möglich ist – das wäre passender gewesen.
Doch egal, der Trend stimmt, wenn auch bisher in dieser Spielzeit die Ergebnisse noch nicht. Das kann, soll und muss sich ändern. Und wird es sich auch. Wenn alle 100 Prozent geben. Die Spieler auf dem Rasen in erster Linie, klar. Aber das werden sie. Sie können Helden werden. Wie Sebastian Polter im letzten Jahr mit seinem Doppelpack beim 2:1-Heimsieg gegen die Bullen.
Aber auch der Trainer selbst. Nicht nur beim Coachen. Auch beim Motivieren. Er muss 90 Minuten an der Seitenlinie seine Jungs puschen. Mit Worten. Mit Gesten. Mit seiner Körpersprache. Er muss richtig mitgehen. Auch Düwel muss mehr als nur eine Top-Leistung bringen. So wie alle. Wie die Fans, die Spieler und alle, die es mit den Rot-Weißen halten.??????
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