Die Aufarbeitung hat begonnen, noch in dieser Woche beginnt eine unabhängige Untersuchungskommission ihre Aufklärungsarbeit. Der KURIER wirft die wichtigsten Fragen auf und bringt Licht ins Dunkel:
Hatten die beiden Ausbrecher Hilfe?
Offensichtlich ja! Während Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) am Fluchttag noch von einer „Verkettung von Zufällen“ sprach, räumte er gestern im Roten Rathaus ein: „Es besteht der nachhaltige Verdacht, dass dem Zufall nachgeholfen wurde.“ Denn: Die beiden Insassen wussten genau, an welcher Stelle sie die vier Meter hohe Gebäudemauer hochklettern mussten.
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Oben angekommen, konnten sie erst einen Stacheldraht beiseiteschieben, kurz dahinter auch noch ein Gitter im Zaun aufdrücken. „Hier fehlten die Halterungen“, so Heilmann. Zwei Lücken an einer Stelle, die entweder nach Dacharbeiten von der Baufirma vergessen wurden oder Bauarbeiter wurden von den Ausbrechern bestochen. Auch eine Mittäterschaft von Angestellten der Haftanstalt ist denkbar. Es wurde Strafanzeige wegen Fluchthilfe gegen unbekannt gestellt.
Wie konnten sie eine Vier-Meter-Mauer überwinden?
Beide Knackis gelten als sehr sportlich und hatten wohl Insider-Tipps. Obwohl der Fluchtplan von nur einem der beiden stammt, war dem Ideengeber klar, dass er ohne Kletterkomplizen nie die aus Backsteinen bestehende Gebäudewand hochkommen würde. Da die Wand vereinzelte Mauervorsprünge aufweist, war das Klettern mit gegenseitiger Hilfe möglich. Auch Fensterbretter von anderen Zellen könnten benutzt worden sein.
Warum wurde trotz des Alarms niemand auf den Überwachungsbildern gesehen?
Heilmann meinte am Fluchttag, dass keine Bilder aufgezeichnet wurden. Nach genauer Sichtung der aufgezeichneten Bilder ist nun aber klar, dass die Ausbrecher hätten bemerkt werden müssen. „Die Alarmzentrale muss immer besetzt sein“, so Heilmann am Dienstag. War sie aber offensichtlich nicht oder es wurde absichtlich weggeschaut. Gegen dieses Personal wurden Disziplinarverfahren eingeleitet.
Wohin könnten die Knackis geflüchtet sein?
Das ist reine Spekulation. Mit den drei Stunden Vorsprung hätten es beide schnell nach Osteuropa schaffen können. Wahrscheinlicher ist aber, dass sie sich getrennt haben. Betrüger Ulrich Z. (25) gilt als gewieft und erfinderisch – alles ist möglich. Der mutmaßliche Mörder Metin-Michael M. (34) könnte eher wieder ins Stricher-Milieu abgetaucht sein. Die Fahndung läuft.
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