Nach 66 Klinsi-Tagen ist bei Hertha BSC nichts mehr, wie es war. Cheftrainer Jürgen Klinsmann krempelt den blau-weißen Kader komplett um, verpasst Hertha ein neues Gesicht. Vor dem Doppelschlag gegen Schalke in der Liga (Freitag,, 20.30 Uhr) und im Pokal-Achtelfinale (Dienstag, 20.45 Uhr) beginnt mit dem neuen Sturm-Duo Krzysztof Piatek (24) und Matheus Cunha (20) die neue Klinsi-Zeitrechnung.
„Ihr werdet euch noch wundern“, trällerte Udo Jürgens bei seinem Hit „Mit 66 Jahren“. Klinsi ist heute bei Hertha genau 66 Tage im Amt – und viele reiben sich verwundert die Augen.
Auf Lewandowskis Spuren
Das liegt auch am neusten 22-Millionen-Kauf: Krzysztof Piatek kommt vom AC Mailand. Der Pole verfügt über einen echten Torriecher, knipste im Vorjahr 30-mal in 42 Spielen. Schlägt Piatek bei Hertha ein, werden weitere Bonuszahlungen gen Italien fällig.
„Er ist mit Sicherheit eine Verstärkung. Er hat Qualitäten im Abschluss und kann Bälle festmachen“, lobt Alexander Nouri. Offen lässt Klinsis Co-Trainer, ob der polnische Nationalspieler, der in seiner Heimat Bayern-Star Robert Lewandowski verglichen wird, bereits für die Partie gegen Schalke eine Option sei.
Berlin statt Mailand: Krzysztof Piatek (24) stürmt ab sofort für Hertha BSC – und jubelt bereits wie sein Idol Robert Lewandowski.
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An seinem Landsmann orientiert sich Herthas neuer Stürmer-Star: „Ich habe versucht, mir sein Verhalten auf dem Platz abzuschauen, mich ähnlich zu bewegen“, sagt Piatek über sein Idol. „Ich weiß, dass ich sein Niveau erreichen kann, aber ich muss noch hart arbeiten.“
Selke zurück zu Werder?
Spielt der neue Hoffnungsträger noch nicht, könnten die erwarteten 50 000 Zuschauer – wie schon beim 2:1-Grusel-Sieg in Wolfsburg – ein Spiel mit wenig offensiven Höhepunkten erleben. Nouri: „Das wird ein ähnliches Spiel mit intensiven Zweikämpfen und langen Bällen.“
Pikant: Piatek wurde vor zweieinhalb Jahren bereits mit Hertha in Verbindung gebracht – für ein Zehntel der jetzt gezahlten Millionen-Ablöse.
Klar ist dagegen, dass der bisher glücklose Davie Selke aufgrund des neuen Konkurrenten das Weite sucht. Auch Salomon Kalou und Talent Dennis Jastrzembski (19, für eineinhalb Jahre zum SC Paderborn) könnten am heutigen Deadline-Day, dem letzten Tag des Transferperiode, Hertha noch verlassen. Bereits weg sind Eduard Löwen (Augsburg, Leihe mit Kaufoption), Ondrej Duda (Norwich City, Leihe), Sidney Friede (Wehen Wiesbaden) und Maurice Covic (Ascoli).
Druck auf Klinsi wächst
Vor Piatek lotste Klinsi Santiago Ascacibar (VfB Stuttgart, 12 Mio.) und den neuen Rekord-Einkauf Lucas Tousart (kommt im Sommer aus Lyon für 24 Mio.) an die Spree. Und: Leipzig-Stürmer Matheus Cunha soll am Freitag folgen. Michael Preetz fehlte auf der Pressekonferenz vor dem Schalke-Spiel. „Der Manager hat noch ein bisschen was zu tun“, erklärte Pressesprecher Max Jung.
Am Abend war klar: Preetz fädelte gleich noch den nächsten Transfer ein. Der Wechsel von Matheus Cunha, der derzeit noch mit Brasiliens U21 bei einem Olympia-Quali-Turnier teilnimmt, soll am Freitag verkündet werden werden. Für Cunha macht Hertha nochmals 18 Millionen locker!
Dass in Klinsis neuer Zeitrechnung das Klima im Team leidet, dementiert Nouri: „Ich sehe einfach, dass was tagtäglich passiert bei uns. Jürgen ist ein Kommunikator. Da ist einfach ein transparenter und offener, ehrlicher Austausch mit den Spielern. Nach außen wird das so dargestellt, intern gibt es gar kein Problem.“ Kalou, Arne Maier und Niklas Stark sehen es anders, bemängelten insbesondere die von Nouri gepriesene Kommunikation.
Fakt ist: Für Klinsi und Hertha, der für diese Saison lediglich den Klassenerhalt als Ziel ausgegeben hat, gibt es in der Rückrunde keine Ausreden mehr. Mit den getätigten 76(!)-Millionen-Transfers muss die von ihm versprochene rosige Zukunft schon jetzt beginnen. Ein Sieg gegen Schalke wäre ein Anfang.
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