Klinik-Seuche MRSA

Wir tragen den Todeskeim in uns

Lucy darf keine Freunde zum Spielen einladen, nicht ins Kino oder auf den Spielplatz. Ihr Leben wird bestimmt von Desinfektionsmitteln. Mutter Cindy (29) klagt an: Ärzte und Ämter lassen uns allein

CORNELIA SCHMALENBACH
Lesezeit 3 Min
Cindy D. (29) mit Tochter Lucy (4). Die junge Mutter desinfiziert täglich mit diversen Reinigungsmitteln gründlich die Wohnung. Auch Hände, Spielzeug und die Wäsche macht sie keimfrei.

Cindy D. (29) mit Tochter Lucy (4). Die junge Mutter desinfiziert täglich mit diversen Reinigungsmitteln gründlich die Wohnung. Auch Hände, Spielzeug und die Wäsche macht sie keimfrei.

© Sabine Gudath Lizenz

Die Keime sind gefährlich, weil Antibiotika in den meisten Fällen nicht anschlagen. „Wenn sie in Wunden, Lunge, Blase oder Blutbahn gelangen, verursachen sie Infektionen, die auch sehr dramatisch verlaufen können – von der einfachen Wundinfektion bis zur Sepsis mit dem Tod als Folge,“ warnt Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Besonders gefährdet sind Risikopatienten mit einem schwachen Immunsystem.

Lucy ist die Letzte in der Familie, die sich angesteckt hat. „Wir glauben, dass mein Vater den Keim eingeschleppt hat“, sagt Lucys Mutter Cindy D. Er war wegen Herzproblemen häufig in der Klinik.

„Vor zwei Jahren bekam ich sehr schmerzhafte Abszesse am ganzen Körper“, erzählt er. Ärzte schnitten die Entzündungen heraus, mussten auf dem Rücken viel Haut implantieren. Erst später ergab ein Test in der Charité: Der Mann hatte sich mit dem Krankenhauskeim MRSA infiziert, die Abszesse auslösen können.

Als Tochter Cindy den ersten bei sich entdeckte, erklärte man ihr, das sei vererbt. Drei Operationen musste sie über sich ergehen lassen. Als auch Lucy erkrankte, fragte sie ihren Hautarzt, was sie dagegen tun kann. „Er hat mir erklärt, das käme vom Cola-Trinken, Rauchen und Rasieren. Da war ich baff.“

Der Vater von Lucy, von Beruf Pfleger, riet der Familie, die Wohnung zu desinfizieren. Die junge Mutter gibt im Monat 400 Euro für diverse Mittel aus. Sie ist verbittert: „Weder Ärzte noch Ämter interessieren sich für uns, dabei sind wir eine Gefahr für andere Menschen.“

Dass multiresistente Keime meldepflichtig sind, erfuhr sie erst über den Berliner KURIER.

Wir konfrontieren das Gesundheitsamt von Marzahn-Hellersdorf mit der Geschichte. Amtsärztin Martina Hänel erklärt, dass bei jeder Meldung nach dem Infektionsschutzgesetz das Gesundheitsamt ermittelt. Erkrankte und Angehörigen würden umfassend informiert. „Es werden auch verschiedene Maßnahmen zur Vermeidung weiterer Übertragungen festgelegt“, versichert Hänel. Der Fall D. ist im Amt nicht bekannt. Auf Wunsch der Familie zeigen wir in unserem Bericht nur Cindy und ihre kleine Tochter.

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