Eine Tasse Kaffee, bitte! – 7,90 Euro, bitte! So oder so ähnlich könnten demnächst Bestellungen an der Kaffeetheke klingen. Nicht im Nobelhotel, sondern in einem Coffee Shop. Dann würde der Barista der verdutzten Käuferin erklären: „Wissen Sie, in Brasilien herrscht seit Jahren eine schreckliche Dürre. Die Pflanzen vertrocknen, es gibt kaum noch frische Bohnen. Deshalb sind die so teuer.“
Kaffee, des Deutschen liebstes Getränk (jedes Jahr trinkt jeder von uns im Schnitt 149 Liter), könnte bald unbezahlbar werden. Weil das Wetter immer öfter verrückt spielt.
Am Beispiel der braunen Bohne hat die Umweltschutzorganisation WWF untersucht, wie sich die Erderwärmung auf unsere Lebensmittel auswirken könnte. Fazit: Die Preise für einige Nahrungsmittel werden deutlich steigen. „Zukünftig wird der Klimawandel immer stärker die Verfügbarkeit, Qualität und den Preis von Lebensmitteln beeinflussen – und somit auch unseren Alltag“, schreiben die Autoren.
© dpa
Kaffee wird in tropischen Regionen angebaut, der größte Teil in Brasilien und Vietnam. Das Klima dort verschärft sich laut WWF infolge der weltweiten Erderwärmung. In Brasilien bedrohen Trockenheit und Dürre die Ernte, in Vietnam dagegen starker Regen, der fruchtbaren Boden davonschwemmt.
Zusätzlich droht der steigende Meeresspiegel ganze Landstriche zu überschwemmen. „Bis 2050 wird mit einem Verlust von 50 Prozent der weltweit für den Kaffeeanbau geeigneten Gebiete gerechnet“, heißt es in der Studie. Werden weniger Kaffeebohnen geerntet, steigen die Preise für die Verbraucher. Anfällig sind auch die Obst-Ernten, allem voran Orangen und Bananen.
Wie sich Klimaveränderungen auf den Preis auswirken können, zeigt das Beispiel Haselnüsse. Eine frostige Nacht mit Hagelsturm reichte im März 2014 aus, um in der Türkei, aus der 70 Prozent aller Haselnüsse kommen, die halbe Ernte zu vernichten. Der Weltmarktpreis stieg um 60 Prozent!
Eine Tasse Kaffee und ein Brot mit Haselnusscreme könnten auf den Frühstückstischen bald Seltenheitswert haben.
Global betrachtet wären die Auswirkungen weit dramatischer als in Deutschland. Infolge hoher Preise könnten bis zum Jahr 2080 weitere 600 Millionen Menschen an Unterernährung leiden, warnt Hilal Elver, die UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf Nahrung.
„Das internationale System der Nahrungsmittelhilfe ist völlig unzureichend und nicht in der Lage, die lebensnotwendigen Bedürfnisse von Menschen in einer humanitären Krise zu versorgen“, stellt die Kinderhilfsorganisation World Vision in einer neuen Studie fest.
© dpa
„Schon jetzt gehen jeden Abend Millionen Kinder hungrig ins Bett“, sagt Thabani Maphosa, Nahrungsmittel-Expertin von World Vision.
UNICEF befürchtet: Elf Millionen Kinder könnten bald akut von Hunger bedroht sein.
Auch die Seite der Nahrungsmittelproduzenten hat mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Gerade kleine Kaffeebauern wären durch extremes Wetter und anhaltende Trockenheit in ihrer Existenz bedroht. Sie könnten zwar in höher gelegenere Anbauregionen ausweichen, dafür müssten die Flächen aber erst abgeholzt werden – was wiederum zu CO2-Emissionen führt.
Eine andere Möglichkeit ist, die Pflanzen für den Klimawandel fit zu machen. Damit Nutzpflanzen wie beispielsweise Kaffeesträucher auch mit völlig neuen Bedingungen durch steigende Temperaturen zurechtkommen.
Schon heute weichen Landwirte auf Sorten aus, die mit den veränderten Bedingungen besser zurechtkommen und dennoch unseren Ess- und Trinkgewohnheiten entsprechen. Das Problem: Hitze und Trockenheit beeinträchtigen das Wachstum, Extremwetter schädigt die Pflanzen.
Geforscht wird beispielsweise an Raps, der weniger klimaschädlichen Stickstoffdünger braucht und mit wenig Wasser auskommt. Allerdings müssen Pflanzen unter veränderten Klimabedingungen auch mit neuen Schädlingen fertig werden.
Die Kaffeebohne, bekannt als schwarzes Gold, würde diesem Namen alle Ehre machen.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com