Klavier zu Leinwand

Der Pianist, der die Stummfilme zum Sprechen bringt

Stephan von Bothmer haut in die Tasten, wenn Nosferatu über den Bildschirm läuft.

Mike Wilms
Lesezeit 2 Min
Klavier und Leinwand stehen bereit: Stephan von Bothmer vor der Show.

Klavier und Leinwand stehen bereit: Stephan von Bothmer vor der Show.

© Gudath

Wenn Stephan von Bothmer (46) in die Klaviertasten haut, fällt das Stummfilm-Publikum fast vom Stuhl. Der Berliner Pianist, ein Urgroßneffe des Komponisten Richard Strauss, hämmert und hackt, klimpert und klotzt – Fingerarbeit mit vollem Körpereinsatz. In der Reihe „Festival Stummfilmkonzerte“ begleitet der Graf von Bothmer, so sein Adelstitel, jetzt legendäre Streifen aus der Frühphase der Filmkunst.

Er gibt Stan und Olli, Charlie Chaplin, Dr. Caligari und dem Vampir Nosferatu, was sie nie hatten – eine Stimme. Bothmer bringt sie mit seinen selbstkomponierten Melodien, Klangteppichen und Geräuschen zum Sprechen. Und zu alldem zündet er flammende Pyro-Effekte.

„Trotzdem verläuft jedes Konzert am Ende anders“

„Es gibt eine sekundengenaue Komposition, die Vorbereitung für jeden einzelnen Film dauert Monate“, sagte Bothmer dem KURIER. Es wisse ganz genau, wann jeder Schauspieler lacht und atmet. Überhaupt ist Bothmer ein präziser Typ: Außer Musik hat er auch Mathe studiert. „Trotzdem verläuft jedes Konzert am Ende anders“, sagt er. Gerade bei „Stan und Olli“ probiere er sich musikalisch aus, denn das habe er schon 120 Mal aufgeführt. Die Leute lachen von der ersten bis zur letzten Minute, weil die Musik die Emotionen verstärkt.

Anlass der Konzertreihe in der Passionskirche (nächster Termin 3. 03.) ist das 20-jährige Bühnenjubiläum des gebürtigen Niedersachsen. Zu seiner Premiere als Stummfilmpianist kam er als Student durch Zufall: Der Filmclub der Humboldt-Uni hatte angefragt, ob er wohl so etwas spielen könne.

www.stummfilmkonzerte.de

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