„Ich habe mich wie eine Schwerverbrecherin behandelt gefühlt“ sagt Lehmann. Am 19. August wollte sie ein Konzert mit dem Pianisten Daniel Barenboim besuchen, aber sie scheiterte an der Einlasskontrolle. Das Problem: Die Hausordnung des örtlichen Veranstalters verbietet es, „sperrige Gegenstände aller Art“ mitzuführen – und dazu zählt nach seinen Angaben die Topfpflanze, die sie auf dem Weg zum Konzert für eine Freundin kaufte.
Der Stockschirm musste nicht abgegeben werden
Hinzu kommt, dass die Rentnerin auch einen Stockschirm mitbrachte, der ebenfalls nicht erlaubt ist. Doch Lehmann ist darauf angewiesen, „weil bei Nässe die Elektronik meines Rollstuhls versagen kann“. Der Stiel ist außerdem behindertengerecht geformt, weil Lehmann aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr alle Finger hat und mit ihren Händen nicht greifen kann. Die alte Dame leidet seit Geburt an schwerem Gelenkrheuma.
Lehmann versteht die Aufregung nicht: Sie habe sich kooperativ gezeigt und die Pflanze an einem Einsatzwagen der Polizei abgegeben. „Die Beamten waren nett und versprachen, auf den Topf aufzupassen“, so Lehmann. Den Stockschirm habe sie nicht abgeben können, weil es regnete.
„Die Musik ist Balsam für meine Seele"
Trotzdem wurde ihr der Einlass verweigert und sie und ihre Begleitung, die kostenfrei mitkommen durfte, mussten wieder nach Hause gehen. Inzwischen schaltete sich auch der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung ein und kontaktierte den Veranstalter. Dort sei er allerdings auf „keinerlei Unrechtsbewusstsein“ gestoßen, schrieb er in einer Mail an Ursula Lehmann.
Nach KURIER-Anfrage bei Semmel-Concerts verwies eine Mitarbeiterin auf die Begleitung, die kostenfrei mitkommen darf: „Die Begleitperson kann genau in solchen Fällen unterstützen und handeln. Insofern ist es für uns unverständlich, dass es zu dieser Situation kam“ heißt es. In dem beigefügten Schreiben an Ursula Lehmann werfen sie ihr vor, „ungehalten“ reagiert zu haben und auch noch eine weitere Tasche mitgeführt zu haben, die nicht dem zulässigen Höchstmaßen entsprach. Außerdem verwiesen sie auf die Einlassbestimmungen, über die sich jeder Gast vorab informieren müsse.
Lehmann ist traurig. Sie sagt: „Die Musik ist Balsam für meine Seele und es war so schwer, eine Karte zu bekommen."
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com