Mit ihrem jetzt gestellten Antrag könnte Monika Herrmann (Grüne) eine drogenpolitische Revolution gelingen. Denn die weitgehende Hasch-Freigabe im ganzen Land wäre nur der nächste logische Schritt.
Wie in Holland, wie in einigen US-Staaten. Aber ist das auch gut so – oder gefährlich?
Die Idee für offizielle Hasch- und Marihuana-Verkaufsstellen liegt im Trend der Zeit. Grüne, Linke und FDP haben sich für eine Legalisierung ausgesprochen.
23 Prozent der Bundesbürger (15 bis 64 Jahre) verfügen über Kiff-Erfahrung. Bei einer KURIER-Umfrage war es schwer, überhaupt jemanden ohne zu finden.
Die bloße Nachfrage rechtfertigt natürlich noch keine Legalisierung. Aber Kreuzberg führt klare Argumente ins Feld, wie sie jetzt in immer mehr Ländern zu einer Hasch-Freigabe führen.
Ob in Uruguay, Vancouver, Alaska oder Colorado: Die Debatten gleichen sich – und am Ende gibt es Hanfplantagen, Hanfapotheken, Hanf-Bars.
Ein Vorteil ist sicher, dass offizielle Shops der Dealer-Szene das Geschäft abgraben können. Für Händler, die Kiffer wie im Görli auch zu Heroin verführen wollen, soll sich das Dealen nicht mehr lohnen.
Weitere Vorteile: In Coffee-Shops würde nur sauberer Stoff ohne Streckmittel wie Blei oder Glasstaub verkauft. Nach US-Vorbild könnte sogar eine legale Cannabis-Industrie entstehen – mit Millionen-Umsätzen.
Der Staat Colorado nahm allein im ersten Halbjahr nach der Hanf-Legalisierung 25,3 Mio. Dollar „Kiffersteuern“ ein. Im gleichen Zeitraum sank die Mordrate in Colorados Hauptstadt Denver um über 50 Prozent.
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Anthony Heric (47) aus Mitte hat nicht nur eigene Kiff-Erfahrung, er ist auch für legale Coffee-Shops. Der Übersetzer: „Die Leute kiffen sowieso, man sollte sie nicht kriminalisieren.“
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Sofia (22), Melanie (22) und Pia (22) aus Charlottenburg raten, das Kreuzberger Vorhaben nur als Experiment zu sehen. Denn: „Hasch birgt Risiken, man muss das sachte angehen.“
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„Coffee-Shops könnten psychisch Abhängigen würdevollen Konsum ermöglichen“, sagt Søren Gahrmann (26) aus Friedrichshain. Sie sollten aber auch Beratungsstellen sein.
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Der Staat als Drogen-Verkäufer? Das lehnt Irmgard Dreske (76) ab. Die Rentnerin aus Treptow: „Es ist richtig, dass Drogenkonsum bestraft wird.“ Ausnahme: Cannabis als Medikament.
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Dirk Ludigs (49) aus Mitte lobt die Idee, das Dealen mit Coffee-Shops zu bekämpfen. Er denkt aber auch an die Dealer: „Viele sind Flüchtlinge, eine Arbeitserlaubnis würde ihnen helfen.“
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Die Beschaffungskriminalität wird weniger, die Polizei kann sich um Wichtigeres kümmern – und die Konsumenten geraten gar nicht erst in die illegale Drogen-Szene.
Nicht zu vergessen, dass Hasch aus ärztlicher Sicht im Gegensatz zu Alkohol keinen umbringt.
All das kann die Landesdrogenbeauftragte Christine Köhler-Azara nicht überzeugen. Sie betont, dass junge Leute Probleme mit Cannabis bekommen. Es ist und bleibt ein Rauschmittel, das seelisch abhängig machen kann.
Ohnehin fragt sich, ob das zuständige Bundesamt dem Berliner Antrag zustimmt. Es hat drei Monate, den Kiff-Plan zu prüfen.
Er würde volljährigen Bezirks-Bewohnern den Hasch-Einkauf erlauben – aber nur mit Kiffer-Ausweis.
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