Kiez in Angst

Spritzen-Anschlag auf Jeremy (5)

Jetzt fürchten Anwohner in Pankow um die Sicherheit ihrer Kinder.

Florian Thalmann und Sabine Gudath (Fotos)
Lesezeit 3 Min
Auch am Tattag spielte Jeremy vor dem Haus in seiner Lieblingsecke – hier durchsucht er das Gebüsch immer wieder nach Schnecken, die Tiere faszinieren den 5-jährigen Jungen.

Auch am Tattag spielte Jeremy vor dem Haus in seiner Lieblingsecke – hier durchsucht er das Gebüsch immer wieder nach Schnecken, die Tiere faszinieren den 5-jährigen Jungen.

© Sabine Gudath Lizenz

Ein schöner Sommerabend, gegen 18.30 Uhr. Wie oft spielen die Kinder mehrerer Familien in der Pankower Vesaliusstraße vor den Häusern. Auch der kleine Jeremy (5). Er sitzt in seiner Lieblings-Ecke vor dem Plattenbau, sucht in den Büschen nach Schnecken, wie immer.

Was dann passiert, klingt unfassbar – Yves (10), ein Freund von Jeremy, hat alles beobachtet. Er spielt in der Nähe, sieht einen schwarz gekleideten Mann, der bei Jeremy sitzt. „Er legte Jeremys Arm auf den Boden“, erzählt er. „Dann zog er eine Spritze aus seinem Rucksack, stach sie in Jeremys Arm!“

Auch am Tattag spielte Jeremy vor dem Haus in seiner Lieblingsecke – hier durchsucht er das Gebüsch immer wieder nach Schnecken, die Tiere faszinieren den 5-jährigen Jungen.

Auch am Tattag spielte Jeremy vor dem Haus in seiner Lieblingsecke – hier durchsucht er das Gebüsch immer wieder nach Schnecken, die Tiere faszinieren den 5-jährigen Jungen.

© Sabine Gudath Lizenz

Der Unbekannte stach die Spritze in Jeremys Arm – hier zeigt der 5-Jährige die Stelle. Ob sich der Kleine mit HIV ansteckte, wird eine Blutuntersuchung in drei Monaten zeigen.

Der Unbekannte stach die Spritze in Jeremys Arm – hier zeigt der 5-Jährige die Stelle. Ob sich der Kleine mit HIV ansteckte, wird eine Blutuntersuchung in drei Monaten zeigen.

© Sabine Gudath Lizenz

Im Kiez sorgt der Fall für Aufregung, die betroffenen Familien fürchten sich vor neuen Übergriffen.

Im Kiez sorgt der Fall für Aufregung, die betroffenen Familien fürchten sich vor neuen Übergriffen.

© Sabine Gudath Lizenz

Yves beobachtete die Spritzen-Attacke, erzählte seinen Eltern Carina (30) und Carsten (34), was passierte. Was genau geschah, sollen die Ermittlungen zeigen.

Yves beobachtete die Spritzen-Attacke, erzählte seinen Eltern Carina (30) und Carsten (34), was passierte. Was genau geschah, sollen die Ermittlungen zeigen.

© Sabine Gudath Lizenz

Yves rennt hin, doch der Mann flieht, verschwindet zwischen den Häusern. Andere Kinder schnappen sich den erschrockenen Jeremy, rufen ihre Eltern. Aufregung, die Polizei wird alarmiert, Papa Patrick M. (34) fährt mit seinem Sohnemann in die Notaufnahme. „Sie nahmen Blut ab, die Hepatitis-Tests fielen negativ aus“, sagt er. Trotzdem keine Entwarnung – in drei Monaten steht ein HIV-Test an „Es geht um das Leben meines Sohnes“, sagt der Vater.

Nun geht die Angst um im Kiez: Wer ist der gefährliche Kinder-Spritzer und warum tat er Jeremy das an? „Normalerweise ist das hier eine sehr ruhige Gegend, wir konnten unsere Kinder immer draußen spielen lassen“, sagt M. Jetzt sind die Eltern hellhöriger, lassen ihren Nachwuchs nur zu zweit vor die Tür – wenn den Kindern etwas merkwürdig vorkommt, sollen sie laut schreien. „Wir schauen genau, was passiert und wer hier rumläuft“, sagt er.

Auch Carina K. (30), Mutter von Yves, ist fassungslos. „Ich bin hier aufgewachsen, habe so etwas noch nie erlebt.“ Doch das Wohngebiet verändert sich. Die Anwohner beobachten, dass oft Kiffer in der Nähe sitzen, neulich sprach auch ein Sprayer die Kleinen an. „Er beschmierte eine Wand und fragte mich, ob ich auch mal will“, sagt Yves. Jeremys Vater: „Wir haben Angst um unsere Kinder, müssen jetzt immer damit rechnen, dass wieder etwas passiert.“

Auf eine KURIER-Anfrage bei der Polizei bestätigte eine Sprecherin den Vorfall. Was dahintersteckt, wird sich zeigen. „Es laufen Ermittlungen wegen Verdacht auf gefährliche Körperverletzung“, heißt es. Man nehme den Fall, wie auch bei Sexualstraftätern, sehr ernst. Ähnliche Geschehnisse habe es in der letzten Zeit nicht gegeben.

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