Gesunde Bäume gefällt

Kettensägen-Massaker am Marx-Engels-Forum

35 gesunde Bäume müssen dem klimagerechten Umbau des Areals zwischen Rotem Rathaus und Marienkirche in Berlin-Mitte weichen. Umweltaktivisten sind sauer.

Foto von Autor/Autorin: Stefanie Hildebrandt
Lesezeit 3 Min
Gefällt Bäume liegen am Ufer der Spree. Vis a vis des Roten Rathauses haben die Umbauarbeiten am Marx-Engels-Forum begonnen.

Gefällt Bäume liegen am Ufer der Spree. Vis a vis des Roten Rathauses haben die Umbauarbeiten am Marx-Engels-Forum begonnen.

© Baumentscheid Berlin

Die Kettensägen haben ganze Arbeit geleistet. Gegenüber des Roten Rathauses am Marx-Engels-Forum haben die Bauarbeiten zur Neugestaltung begonnen. Dafür sollen 35 Bäume gefällt werden. Von einem „Kettensägen-Massaker“ spricht Baum-Aktivist Heinrich Stößenreuther in einem Video, das ihn vor abgesägten Baumstümpfen zeigt, im Hintergrund ist das Rote Rathaus zu sehen. Stößenreuther engagiert sich für den Berliner „Volksentscheid Baum“, der unter anderem die Pflanzung von Straßenbäumen und den Erhalt von alten Bäumen fordert.

„Ohne Sinn und Verstand“ seien die Bäume gefällt worden, so Stößenreuther. „Eigentlich braucht Berlin genau das Gegenteil. Berlin wird heißer und trockener; und damit wir hier in zehn bis 20 Jahren noch halbwegs gut leben können, brauchen wir mehr Bäume und nicht weniger.“

Diese Bäume spenden seit Jahrzehnten Schatten und kühlen Berlin spürbar ab, heißt es auf der Seite der Initiative.  Neue Bäume bräuchten Generationen, um die gleiche Wirkung zu entfalten!

Grün Berlin baut Marx-Engels-Forum um

Laut Grün Berlin, die den Umbau verantworten, müssen die Bäume einer Treppen- und Rampenanlage am Spreeufer weichen. „Die erforderlichen Baumfällungen werden mit der gleichen Anzahl an Neupflanzungen ausgeglichen. Dabei liegt der Fokus auf Arten, die den veränderten klimatischen Bedingungen standhalten und die Klimaresilienz des Platzes stärken“, heißt es von Grün Berlin.

So soll es nach dem Umbau am Marx-Engels-Forum aussehen. Bis die neu gepflanzten Bäume groß sind, dauert es allerdings Jahrzehnte.

So soll es nach dem Umbau am Marx-Engels-Forum aussehen. Bis die neu gepflanzten Bäume groß sind, dauert es allerdings Jahrzehnte.

© Grün Berlin

Die Anlage zwischen Marienkirche, Rotem Rathaus, Fernsehturm, Neptunbrunnen und Marx-Engels-Denkmal soll nach einem Entwurf des Büros Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten umgestaltet werden und dabei eine höhere Aufenthaltsqualität bekommen. Auch die Klimaresilienz soll vor Ort gestärkt werden.

Das Spreeufer wird nach dem Umbau barrierefrei zugänglich und es entstehen Freizeit-, Sport- und Spielangebote – ein sozialer Treffpunkt für alle Altersgruppen. Innovative Konzepte, beispielsweise zum Regenwassermanagement und zur Wiederverwendung von vorhandenem Material, sollen die Ressourcen schonen. Anstatt wie bisher über die Kanalisation abzufließen, wird das Niederschlagswasser am Marx-Engels-Forum ressourcenschonend gesammelt und vollständig auf dem Areal verdunstet oder versickert.

Das Fällen der Bäume sei kritisch geprüft worden, heißt es weiter bei Grün Berlin. Wo immer möglich,wurde der Erhalt von Bestandsbäumen priorisiert. Das sehen die Umweltaktivisten, die am Mittwoch zu einer Spontandemo aufgerufen hatten, anders. ■

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