Keira Knightley

„Meine Talente in Mathe? Null!“

Ein Gespräch über ihre Rolle als Informatikerin, Computer und Filme als Geschichtsunterricht

Mariam Schaghaghi
Lesezeit 5 Min
In diesem Jahr wird Keira Knightley 30 und bekommt ein Kind. Wie wird sie sein als Mom? „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“ Jedoch: „Enge Freunde von mir sind ganz tolle Eltern, wahrscheinlich, weil sie ihren Kindern zuhören. Das hat meine Mutter, die richtig cool ist, auch immer ausgezeichnet: Dass sie uns genau zugehört.“

In diesem Jahr wird Keira Knightley 30 und bekommt ein Kind. Wie wird sie sein als Mom? „Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“ Jedoch: „Enge Freunde von mir sind ganz tolle Eltern, wahrscheinlich, weil sie ihren Kindern zuhören. Das hat meine Mutter, die richtig cool ist, auch immer ausgezeichnet: Dass sie uns genau zugehört.“

© imago/Future Image Lizenz

Popcorn-Prinzesschen? Von wegen, Keira Knightley ist eine Charakter-Schauspielerin! Der endgültige Beweis dafür ist ihr Part in „The Imitation Game“, für den sie jetzt eine Oscar-Nominierung bekam. Sie spielt die hyperintelligente Joan Clarke, die im Team um Wissenschaftler Alan Turing dazu beiträgt, die Chiffriermaschine „Enigma“ zu knacken, was den Zweiten Weltkrieg schneller beendete.

Das Drama, für acht Oscars nominiert, erzählt die Geschichte des Computerpioniers Alan Turing, der 1952 wegen seiner Homosexualität zwangskastriert wurde und sich 1954 das Leben nahm. Seine Verdienste im Krieg wurden erst 2009 gewürdigt, er selbst erhielt 2013 posthum ein „Royal Pardon“ (Königliche Begnadigung).

KURIER: Keira, Sie waren die einzige Frau in diesem Cast. Wie haben Sie es mit all den Kerlen am Set ausgehalten?

Keira Knightley: (Lacht.) Die konnten schon richtig heftig sein! Ich mochte sie sehr, sie sind einfach großartig. Benedict Cumberbatch kannte ich ja schon von „Atonement“. Doch Matthew Goode war ich erst einmal begegnet und hatte keine Ahnung, was alles in ihm steckt! Er ist laut und umwerfend komisch und hat dauernd Blödsinn im Kopf. Es hat mir viel Spaß gemacht, Teil dieser Gang zu sein. Aber die Jungs haben mich auch bereitwillig aufgenommen. Außerdem konnte ich bei diesen Jungs immer mit einer Flasche Wein punkten. Mein Trailer wurde zum Treffpunkt und hieß „Joan’s Bar“.

Fiel es Ihnen leicht, die Rolle von Joan Clarke zu spielen? Sie müssen ja zumindest vorgeben, über die Fähigkeiten einer Informatikerin zu verfügen.

Oh, ich bin sogar verdammt gut darin so zu tun, als ob! (Lacht.) Darin bin ich extrem überzeugend!

Wie hoch sind denn Ihre Talente in Mathematik?
Inexistent. Null. Na ja, obwohl ich in der Schule immerhin eine Zwei hatte. Doch damit kommt man in diesen Sphären der Informatik und Kryptoanalytik nicht weit.

Wer kümmert sich bei Ihnen zu Hause um den Computer, wenn er streikt?

Ich nicht, ich hasse Technologie! Solche Tablets und Laptops sind natürlich toll, wenn sie auf Knopfdruck funktionieren. Doch wenn die Geräte nicht das machen, was sie sollen, bringt es mich um!

Sind Sie bei Twitter oder Facebook aktiv?

Nein. Daran bin ich nicht interessiert.

Wie haben Sie sich auf Joan Clarke vorbereitet? Normalerweise lieben Sie es, durch eigene Recherchen den Schlüssel zu Ihren Figuren zu finden.

Ich habe mich tatsächlich zwei Wochen lang verzweifelt bemüht, mir einen Einblick in das zu verschaffen, worum es bei ihren fachlichen Exkursen geht, diese Theoreme. Oder heißt es Theorien? Jedenfalls habe ich mich ernsthaft Tag für Tag mit den mathematischen Lehrsätzen herumgeschlagen, habe Fachbücher gekauft und alles Unverständliche nachgeschaut. Doch nach zwei Wochen musste ich zugeben: Ich verstehe kein Wort!

Wie viel wussten Sie über Alan Turing vor diesem Film?

Einige Jahre zuvor hatte ich einen Artikel in „The Guardian“ gelesen, als es darum ging, Turing nachträglich zu begnadigen. Ich war geschockt, dass ich bis dahin nie von ihm gehört hatte. Als ich dann von diesem Projekt hörte, wollte ich unbedingt dabei sein. Auch die Größe der Rolle war mir völlig egal. Viele Kollegen von Rang und Namen haben hier in kleinen Rollen mitgewirkt, weil sie davon überzeugt waren, dass diese Geschichte unbedingt erzählt werden muss. So ging es mir auch.

Können Sie die Beziehung zwischen Joan und Alan verstehen, diese asexuelle Liebe, die die beiden verbindet?

Absolut. Die beiden begegneten einander auf Augenhöhe. Damals war es für eine Frau üblich, Hausfrau zu werden. Für Joan ergab sich aber unerwartet die Möglichkeit, mit jemandem, der genauso besessen ist wie sie, ihrer Leidenschaft für Zahlen nachzugehen. Die beiden verband eine innige Freundschaft. Er verhielt sich oft fast autistisch, sie wurde quasi seine Dolmetscherin und hat ihm klar gemacht, dass er seine Kollegen braucht, um seine Aufgabe zu lösen. Sie hat die erforderliche Kommunikation im Team ermöglicht.

Benedict Cumberbatch verriet, dass sie Ihren norwegischen Regisseur Morten Tyldum am Set kaum verstanden, weil er so schnell redete.

Morten trank literweise Kaffee und hat dann so schnell geredet wie ein Kassettenrekorder auf Fast Forward – das war Wahnsinn! Wir haben irgendwann seinem Regieassistenten ein Zeichen gegeben, dass er ihm bloß entkoffeinierten Kaffee unterjubeln sollte. Er hat nichts davon gemerkt, dass wir ihm sein Koffein entzogen haben. Das haben wir ihm erst vor Kurzem gestanden.

War Ihnen der Zweite Weltkrieg durch Erzählungen präsent?

Meine Großeltern waren diejenigen, die ihn am eigenen Leib erlebt haben. Sie haben mir von schrecklichen Momenten erzählt, wie der, als meine Großmutter mit meinem Onkel in den Armen die Treppe herunterstürzte, weil nebenan eine Bombe einschlug. Überhaupt gab es auch oft noch kleine Luftschutzbunker in den Gärten, in denen wir als Kinder gespielt haben. Ich bin in London aufgewachsen, da fällt dir schon als Kind auf, dass es neue und alte Gebäude gibt. Du nimmst diese Wunden, die der Krieg geschlagen hat, an vielen Ecken wahr.

Früher waren Sie oft in Kostümfilmen zu sehen. Schlägt Ihr Herz eher für historische Stoffe oder zeitgenössische?

Mir geht es nur um die Geschichte und die Figuren. Wo das Ganze spielt, ist für mich nicht entscheidend. Der große Vorteil an zeitgenössischen Filmen ist: Du bekommst mehr Schlaf. Und das ist definitiv ein großes Plus. Andererseits genieße ich es, bei historischen Stoffen, Recherche zu betreiben, um mich in die jeweilige Ära hineinversetzen zu können. Du kannst den Grenzen der Realität entkommen. Gleichzeitig erfordert es eine enorme Vorstellungskraft, weil du eine ganz alte, ungewohnte Welt vor deinem inneren Auge entstehen lässt. Das mag ich sehr, das ist ein grandioser Geschichtsunterricht.

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