Auf dem Parteitag der Linken am letzten Wochenende hat Gregor Gysi erklärt, er werde im Herbst nicht mehr für den Vorsitz seiner Fraktion im Deutschen Bundestag kandidieren. Es gibt nur wenige in der Republik, die in der Lage sind, ihm in der sprachlichen Formulierung der Gedanken und der Kunst der Argumentation das Wasser zu reichen.
Dass er sich aus der vorderen Reihe der parlamentarischen Auseinandersetzung zurückzieht, bedeutet einen bedauerlichen Verlust für die Debattenkultur in unserem Land. Er gehört auch zu den Leuten, die gute Argumente Andersdenkender gelten lassen und die Politik nicht als quasi religiös-fundamentalistische Veranstaltung missverstehen. Es gibt in Berlin genügend Betonköpfe; er gehört nicht dazu.
Wahrscheinlich wird die zukünftige Entwicklung seiner Partei beweisen, dass es ihr schwerster Fehler war, sich gegen seinen Rat einem radikalen Pazifismus zu verschreiben, der unmoralisch ist und sie auf Bundesebene regierungsunfähig macht.
Nach dem Machtantritt der Nazis 1933 ist im literarischen Untergrund Max von Schenkendorfs Vers von 1813: „Freiheit, die ich meine“ weitergedichtet worden: „Welche meinst du, sprich: Deine oder meine, darum dreht es sich.“ Es gibt keine Freiheit für die Zerstörer der Freiheit.
Gegen diese dürfen wir uns wehren, auch mit der Bundeswehr. Da Freiheit und Menschenrechte nicht mehr an den nationalen Grenzen geschützt werden können, muss der Terrorismus auch dort, wo er entsteht, abgewehrt werden. Ich will nicht unterstellen, dass dies auch die Gründe von Gregor Gysi sind. Aber da es gute Argumente sind, könnte er sie akzeptieren.
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