Kasperletheater in Südwest

Eene, meene, CDU und der Kandidat bist du

Heilmann oder Wellmann – es kann nur einer werden.

Gerhard Lehrke Jan Thomsen Elmar Schütze
Lesezeit 3 Min
Das Kasperle-Theater um den CDU-Bundestagskandidaten für Berlins Südwesten.

Das Kasperle-Theater um den CDU-Bundestagskandidaten für Berlins Südwesten.

© Montage: Saba

Wellmann: Der Titelverteidiger

Karl-Georg Wellmann ist krisenerprobt. Kaum der Jungen Union entwachsen, steckte er Anfang der 80er-Jahre als Anwalt eines Beschuldigten mit einem Bein im Antes-Skandal um Schmiergeld und Filz, der die West-Berliner CDU erschütterte. Sein erstes politisches Amt übernahm er 1981 als persönlicher Referent des Sozialsenators. 2001 wurde er Chef des Ortsverbandes Dahlem, 2013 Vize-Chef des Kreises Steglitz-Zehlendorf.

Karl-Georg Wellmann ist krisenerprobt.

Karl-Georg Wellmann ist krisenerprobt.

© Imago

Wie gut Wellmann in der Union vernetzt ist, zeigte sich, als er Rüdiger Landowsky im Bankenskandal verteidigte. Dennoch musste er in seiner Partei immer wieder kämpfen – selbst nachdem er es längst in den Bundestag geschafft hatte (ab 2005). So pflegte er enge Bande zu Michael Braun. Nachdem dieser 2012 als Justizsenator aufgeben musste, schielte er auf Wellmanns Bundestagsmandat – und unterlag. Die Freundschaft zerbrach.

Im Bundestag blieb Wellmann lange Hinterbänkler. Ein Coup gelang ihm, als er im Januar 2012 als erster CDU-Politiker Bundespräsident Christian Wulff zum Rücktritt aufforderte. Später entdeckte Wellmann die Außenpolitik. Er ist Berichterstatter der Unionsfraktion für Russland, Weißrussland und die Ukraine und war als OSZE-Wahlbeobachter in der Ukraine unterwegs. Russische Behörden verhängten gar ein Einreiseverbot gegen ihn. Ein anderes Mal forderte er nicht nur deutsche Waffenlieferungen für Kurden im Irak, sondern auch Bodentruppen in Syrien.

Heilmann: Der Herausforderer

Thomas Heilmann mit Angela Merkel, Heilmann mit Volker Kauder, Heilmann mit Henry Kissinger, Heilmann mit Rudolph Giuliani. Von der Internetseite www.heilmann.berlin springen dem Betrachter die Fotos mit lächelnden VIPs aus der Weltpolitik entgegen – und lassen keinen anderen Schluss zu: Das hier ist ganz oben. Es ist die Welt der Entscheider.

2013 eroberte Heilmann den Kreisvorsitz und bemühte sich um Akzente als Justizsenator

2013 eroberte Heilmann den Kreisvorsitz und bemühte sich um Akzente als Justizsenator

© dpa

Mit Marketing kennt sich Thomas Heilmann aus. Schließlich war der 52-Jährige viele Jahre lang Unternehmer, bevor er Politiker wurde. Gemeinsam mit Sebastian Turner, inzwischen Herausgeber beim „Tagesspiegel“, gründete er 1990 eine Werbeagentur in Dresden. Sie ging nur wenig später im PR-Dienstleister „Scholz & Friends“ auf. Später stieg er in die Berliner Kommunalpolitik ein und wurde Vizechef des CDU-Landesverbands. Sein Auftrag: Die verschnarchte Hauptstadt-Union modernisieren. Er organisierte den Wahlkampf der CDU 2011 mit durchaus innovativen Versuchen der Bürgeransprache – was zwar kein dolles Ergebnis brachte, aber zur Regierungsbeteiligung führte.

2013 eroberte Heilmann den Kreisvorsitz und bemühte sich um Akzente als Justizsenator: mehr Personal, Bello-Dialog, Opferschutz. Nach dem historisch schlechtesten Wahlergebnis 2016 kündigte er an, sich künftig hauptberuflich für die Hilfsorganisation „Save the Children“ engagieren zu wollen. Ein Bundestagsmandat sei eher ein Fernziel. Nun ist ein Nahziel daraus geworden. GL, ELM, JAN

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