Samba-Süppchen

Karneval der Kultköche

Einst brutzelten sie im Palast der Republik, jetzt kochen sie in Kreuzberg.

Sabine Deckwerth
Lesezeit 3 Min
Ein Team seit Jahren: Die Köche Michael Wiegner (l.) und Jörg Hübner.  

Ein Team seit Jahren: Die Köche Michael Wiegner (l.) und Jörg Hübner.  

© Paulus Ponizak

Wiegner und Hübner organisieren alles, was auf dem Fest mit Essen und Trinken oder dem Verkauf von Kunsthandwerk zu tun hat. Sie vergeben die Stände, wegen ihrer spitzen Zeltdächer Pagoden genannt, sie wählen die Händler aus. „Wir hatten 1500 Bewerbungen aus ganz Deutschland“, sagt Wiegner. „Wir mussten 1100 von ihnen absagen.“ Es gibt „nur“ 360 Stände.

Sie kennen sich seit dem Studium

Diese sind „nach unserem Geschmack ausgewählt“, wie Wiegner sagt. Nicht auf die Professionalität der Händler käme es ihm an, „sondern auf die Vielfalt“. So hat ein Mokka-Verkäufer, der aus dem Kaffeesatz liest, oder ein Verkäufer von Eis mit der Konsistenz von frischem Schnee mehr Chancen als etwa eine Steak-mit-Pommes-Bude. Nur zwei klassische Bratwurststände gebe es, sagt Wiegner. Serviert wird generell auf Palmblatt-Tellern, um etwas für den Regenwald zu tun. Glasflaschen sind erlaubt, weil es afrikanisches Bier nur in Glasflaschen gebe.

Wiegner und Hübner kennen sich seit dem Studium. Hübner wuchs im Ruppiner Land auf, Wiegner in Leipzig. Beide haben in Leipzig Gastronomie und Hotelwesen studiert. „Wir haben uns schon zusammen in einem Berliner Wohnheim ein Zimmer geteilt“, sagt Hübner. 

Das war Anfang der 80er Jahre, als sie im Palast der Republik kochten. Für die Gäste in den Restaurants, für die DDR-Politiker der Volkskammer, die im Haus tagte. „Da konnte man ordentlich arbeiten“, sagt Hübner, der im Palast Souschef war. Weil die Ausstattung vom besten war, weil auf die Tische kam, was anderswo Mangelware war. Rinderrouladen und Rindsfilet zum Beispiel.

© BLZ/REEG

Nach der Wende machten sich die beiden Köche mit einer GmbH selbstständig. Ein paar Jahre lang versorgten sie die Gäste von Franz-Club und Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg mit kleinen Gerichten und Drinks, bis sie Lust auf einen eigenen Laden um die Ecke hatten. Ein „Mittelalter“-Restaurant mit viel Rucola- und Ziegenkäsegerichten, mit Honigwein und Kerzenlicht und mittelalterlicher Musik. 1998 kam dann das Angebot, die Versorgung zum Karneval der Kulturen zu übernehmen. 

Vielleicht wird es für sie diesmal das letzte Fest auf dem Blücherplatz. Die Veranstalter überlegen, aus Sicherheitsgründen den Umzug zu verlegen. Auf das Tempelhofer Feld oder die Straße des 17. Juni. „Solche Überlegungen gab es immer wieder“, sagen beide. Und bezeichnen sie als „absurd“. „Wie will man denn dort urbane Stimmung erzeugen?“

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