Karl-Marx-Buchhandlung

Endlich wird die Geschichte fortgeschrieben

Nach Aus erlebt der Kult-Laden ein Comeback als feiner Literatursalon.

CORNELIA SCHMALENBACH
Lesezeit 2 Min
Haus und Interieur stehen unter Denkmalschutz.

Haus und Interieur stehen unter Denkmalschutz.

© Bernd Friedel Lizenz

2008 begann der Ausverkauf. Der letzte Buchhändler gab auf.

2008 begann der Ausverkauf. Der letzte Buchhändler gab auf.

© Bernd Friedel Lizenz

So sah die Buchhandlung in den 50er Jahren aus.

So sah die Buchhandlung in den 50er Jahren aus.

© Archiv Berliner Verlag Lizenz

Vanessa Remy (38) hat den Literatursalon auf die Beine gestellt. Die Bücher in den Regalen haben Besucher mitgebracht. Weitere sind willkommen.

Vanessa Remy (38) hat den Literatursalon auf die Beine gestellt. Die Bücher in den Regalen haben Besucher mitgebracht. Weitere sind willkommen.

© Bernd Friedel Lizenz

Vorab ein kurzer Rückblick: Zur Eröffnung 1953 war die Buchhandlung die größte in der Hauptstadt der DDR. Auf 1600 Quadratmetern reihten sich sozialistische Standardwerke, Kinderbücher, Fachliteratur, Partei-Propaganda und einige wenige ausgesuchte Westautoren. Besucher mit Tagesvisum kauften für ihr „Eintrittsgeld“ besonders gern die billigen Schulbücher. Nach der Wende blieb dann die Laufkundschaft weg – es kam das bittere Ende.

Vanessa Remy heißt die junge Frau, die dem Denkmal ein neues Leben schenkt. Die 38-jährige Kulturmanagerin arbeitete für Suhrkamp und den Aufbauverlag, jetzt für Cobblestone. Die Filmproduktionsfirma hat die Buchhandlung gemietet, eine Etage höher befindet sich ihr Büro. Remy, Mutter einer vierjährigen Tochter, plant für den 4. Juli ein ausgelassenes Mitsommerfest. Kinder dürfen den Gehsteig bemalen und natürlich wird auch gelesen. Erst für die Kleinen, und abends aus dem Buch eines finnischen Autors, der in den 80er Jahren häufig in der DDR zu Gast war und seine Erlebnisse in „Unter dem Himmel Ostberlins“ auf vergnügliche Weise verewigte.

Am Mittwoch war Schauspielerin Ursula Werner zu Gast. Sie unterhielt mit ihrer Autobiografie „Immer geht’s weiter“ das Publikum . „Wir planen vier Lesungen im Monat, im Herbst sollen es sechs bis acht werden“, sagt die engagierte junge Frau. Sie glaubt fest daran, dass ihre Idee ankommt, auch die Allee ein Stück wiederbelebt. „Ich möchte jungen Debütanten genauso eine Bühne geben, wie gestandenen Autoren“, erklärt Remy ihr Konzept. Der Filmkritiker und Radio-Eins-Moderator Knut Elstermann startet mit der Reihe „Literatur auf Celluloid“.

Die einhundert Plätze im Lesesalon sind begehrt (Programm und Eintrittskarten unter www.karlmarx-buchhandlung.com).

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