Gegen 16 Uhr war eine riesige Rauchwolke über der Stadt zu sehen, die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot in die Oranienburger Straße 285 in Wittenau aus. „Wir sind mit über 80 Mann im Einsatz“, sagte ein Feuerwehrsprecher. Menschenleben waren nicht in Gefahr, allerdings seien Anwohner aufgefordert worden, wegen möglicher giftiger Dämpfe die Fenster geschlossen zu halten.
Hohe "Sensibilität" wegen Brandanschlägen
Die Löscharbeiten dauerten bis in den späten Abend. Auch Innensenator Frank Henkel (CDU) war zum Brandort gekommen. Zur Ursache des Feuers ließen sich zunächst keine belastbaren Aussagen machen, sagte er der RBB-Abendschau. Das sei frühestens im Laufe des Donnerstags möglich. Angesichts der Brandanschläge in anderen Bundesländern sei aber eine hohe „Sensibilität“ bei Polizei, Feuerwehr und Politik vorhanden.
Neben einem Anschlag wurde auch ein technischer Defekt nicht ausgeschlossen. SPD-Fraktionschef Raed Saleh (38): „Es ist noch zu früh, die Ursache und den Zusammenhang des Brandes zu bewerten. Trotzdem regen sich Wut und Trauer, weil wir in Gedanken sofort bei der Serie widerlicher Anschläge gegen Flüchtlinge und ihre Unterkünfte, wie zuletzt die vorsätzliche Brandstiftung in Nauen, sind.“
Auf dem Gelände der Ex-Nervenklinik in vier Häusern leben rund 900 Flüchtlinge in vom Unternehmen Prisod betriebenen Unterkünften. Am Donnerstag sollte es dort ein Fest geben, „um das Kennenlernen zwischen Flüchtlingen und der Nachbarschaft zu ermöglich“, so die Organisatoren. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) zufolge ist geplant, in der bereits bestehenden Unterkunft auch eine Erstregistrierung von Flüchtlingen durch mobile Teams des Landesamtes für Gesundheit und Soziales vorzunehmen.
„Die Turnhalle selbst war nicht als Notunterkunft vorgesehen“, so Susan Hermenau von Prisod zum KURIER. Allerdings wurde in der Halle laut Hermenau „einmal wöchentlich Fußball mit Flüchtlingskindern gespielt.“ Vor diesem Hintergrund wollte niemand einen Anschlag ausschließen.
„Sollte dieser Brand mutwillig vor dem Hintergrund einer möglichen Nutzung durch Flüchtlinge gelegt worden sein, wäre es ein weiterer Anschlag nicht nur gegen die Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, sondern auf unsere gesamte Wertegesellschaft“, sagte Florian Graf, CDU-Fraktionsvorsitzender. Beim Feuer in Nauen hat sich unterdessen der Verdacht auf vorsätzliche Brandstiftung bestätigt. Die Fahndung läuft.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com