Edith Lünser nimmt jede Überweisung an die Deutsche Wohnen selbst vor. Nichts da mit Dauerauftrag oder Einzugsermächtigung. „Die sollen ihren Hände von meinem Konto nehmen. Die wirtschaften doch in die eigene Tasche“, sagt sie.
Seit 2017 gehört das Wohnhaus in der Lindenstraße 40 der Eragon VV GmbH, an der die Deutsche Wohnen einen Großteil der Anteile hält. Auf KURIER-Anfrage gibt die deutsche Wohnen zu, für das Mietshaus verantwortlich zu sein.
Rentnerin Lünser ist war Wirtschaftswissenschaftlerin und im Mieterverein aktiv
Seit 1957 wohnt die 87-Jährige in der Köpenicker Lindenstraße. 40 Forderungen nach mehr Geld begegnet Edith Lünser mit routinierter Hartnäckigkeit. Sie hat schließlich einst an der Humboldt-Universität Wirtschaftswissenschaften studiert und war über 17 Jahre im Mieterverein aktiv. Dieser Frau macht keiner so schnell was vor.
Stetige Mietsteigerungen und Nebenkosten
Eine Reinigung der Dachrinne hatte die Deutsche Wohnen der Rentnerin für 2016 und 2008 in Rechnung gestellt – 27 Euro für jedes Jahr. „Es geht hier nicht um 27 Euro, sondern um das Prinzip. Die Reinigung darf nicht auf den Mieter umgelegt werden“, sagt Edith Lünser energisch und bekam Recht. Die Deutsche Wohnen überwies ihr das Geld zurück.
Der nächste Punkt: Seit 2017 muss sie plötzlich 291 Euro für einen Hauswart zahlen. Die Rentnerin fragt sich, wofür. „Der Hauswart macht kaum etwas und wenn, dann sind es Instandsetzungsarbeiten, die in der Miete schon enthalten sein sollten.“ Die Deutsche Wohnen teilt dem KURIER mit, dass es über den Hauswart nie Beschwerden gab.
Ein weiterer Punkt: Lünser rechnet vor, dass der Wasserverbrauch 2017 nach Rohrbrüchen um über 100 Prozent gestiegen ist. „Wir mussten das alles bezahlen“, klagt sie. Die Deutsche Wohnen dementiert und sagt, dass es nur 2018 Rohrbrüche gab. Die Mehrkosten habe man den Mietern angeblich rausgerechnet.
„Dazu steigt alle 18 Monate die Miete“, sagt Edith Lünser. Doch das Haus sei seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten, unsaniert. Sie heizt ihre Vierzimmerwohnung mit Kohle. Für die geh-und hörbehinderte Frau gibt es nicht mal eine Gegensprechanlage. Türen und Fenster sind uralt.
Der Berliner Mieterverein hilft der 87-Jährigen jetzt. Sie sagt, sie habe außerdem noch einen Anwalt.
Ihre Meinung interessiert uns. Feedback zu diesem Beitrag senden Sie bitte an leser-bk@berlinerverlag.com