Kampf den Kügelchen SPD und CDU einig: Homöopathische Behandlungen sollen nicht mehr bezahlt werden

Gesundheitsreform

CHRISTIAN WIERMER
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Berlin - Das Milliarden-Loch im Gesundheitswesen - jetzt läutet die Politik den Kampf gegen Kügelchen und Tropfen ein. SPD und CDU wollen dass homöopathische Behandlungen zukünftig nicht mehr von der Kasse bezahlt werden.Durchfall, Grippe, Demenz und Depressionen - für fast jede Erkrankung bietet die Alternativmedizin inzwischen ein Mittel an. Die Homöopathie: ein Milliardengeschäft.Nun wagt die SPD einen mutigen Schritt. 2004 hatte sie noch in der rot-grünen Regierung dafür gesorgt, dass homöopathische Mittel dank einer Ausnahmeregelung von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden können, selbst wenn sie rezeptfrei sind.Doch in den letzten Jahren haben fast alle wissenschaftlichen Studien gezeigt: Die medizinische Wirkung von Globuli & Co. ist mehr als umstritten.Und so fordert der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nun ganz offen: "Man sollte den Kassen schlicht verbieten, Homöopathie zu bezahlen. Viele Patienten glauben, die Kassen zahlen nur das, was nachweisbar hilft. Die Krankenkassen adeln mit ihrem Vorgehen eine Wundermedizin wie die Homöopathie auch noch."Angriff auf die sanfte Medizin! Grüne und Linke wehren sich gegen den Lauterbach-Vorschlag, doch auch die CDU sagt: Weg damit! "Wir haben die Wahltarife für Homöopathie unter Rot-Grün eingeführt. Wenn die SPD will, können wir das sofort streichen, da es keinen wissenschaftlichen Nachweis für den Nutzen gibt", sagt der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn."Bislang kriegen Kinder unter 12 Jahren und Jugendliche unter 18 Jahren mit Entwicklungsstörungen homöopathische Behandlungen von den Kassen grundsätzlich bezahlt", erklärt Greta Schuler von der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). Auch besonders schwer Erkrankte haben einen Anspruch, wenn die Behandlung zum so genannten "Therapiestandard" gehört.Außerdem dürfen die Kassen seit 2007 Wahltarife anbieten, die auch die Kosten für nicht verschreibungspflichtige homöopathische Produkte (z.B. Globuli) abdecken. Damit soll bald Schluss sein. Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) kündigte gestern an, die Wahltarife auf den Prüfstand zu stellen.------------------------------HOMÖOPATHIE"Similia similibus curentur" (Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt). Das ist das Grundprinzip der vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann um 1800 begründeten Homöopathie. Danach hilft bei Kranken der Wirkstoff, der bei Gesunden die Symptome der Krankheit hervorruft. Mediziner nennen als Beispiel Kaffee, der gegen Schlaflosigkeit helfen würde. Bei der Heilmittel-Herstellung wird der Ausgangstoff stark verdünnt, mit Zuckerkügelchen ("Globuli") befeuchtet.------------------------------Zwischenzeile: GRÜNE UND LINKE WEHREN SICH GEGEN DEN ANGRIFFBU: Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) stellt die Wahltarife infrage.

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