„Wenn ich hier dicht mache, sind wir pleite. Was soll ich in meinem Alter noch machen“, sagt Hassan Qadri. Der Pakistani lebt seit 1981 in Berlin und besitzt die Deutsche Staatsbürgerschaft. Sohn Kamil (22), nach ihm ist das Geschäft (64 Quadratmeter, 1200 Euro) benannt, ist mitten im Studium, seine Ehefrau Joanna (43) hilft mit im Geschäft.
Seit dem 13. Juli ist das Leben der Qadris nicht mehr, wie es war. „An dem Tag kam mein Vermieter ins Geschäft und brachte mir die Kündigung zum 31. März 2019, die ich sofort quittieren sollte“, erinnert sich der Familienvater. Doch er habe sich geweigert und kurz darauf eine ordentliche Kündigung, datiert zum 31. Dezember 2018, per Einschreiben erhalten. „Ich habe ihn gefragt, ob wir uns nicht einigen können, ich wäre sogar bereit, mehr Miete zu zahlen, weil wir so verzweifelt sind“, sagt Qadri. Doch er bekam kein Verständnis. „Mein Vermieter teilte mir mit, dass er den Laden renovieren möchte und ich die Miete von 3000 Euro danach ohnehin mehr zahlen könnte.“ Er schlug Qadri stattdessen vor, eine Zwangsvollstreckungsunterwerfung zu unterschreiben, dann könne er ihm das Mietverhältnis bis 31. März verlängern, aber danach könne dann ohne gerichtlichen Titel geräumt werden.
Hassan Raza Qadri betreibt seinen Laden am Kottbusser Damm seit 17 Jahren.
© Thomas Uhlemann
Bevor Hassan Qadri seinen Laden für Damenbekleidung vor 17 Jahren eröffnete, war er jahrelang in einer Textilfabrik in der Bergmannstraße angestellt. „Ich habe immer davon geträumt, einen eigenen Laden zu eröffnen und mir das hart erarbeiten müssen“, sagt er.
Die Familie ist sehr beliebt und integriert im Kiez, viele Menschen wollen sie moralisch unterstützen. „Kamil-Mode“ soll bleiben steht auf großen Plakaten an Häusereingängen am Kottbusser Damm. Sie haben schon mehr als 600 Unterschriften gesammelt, weil der Modeladen bleiben soll.
Der Bundestagsabgeordnete Pascal Meiser (Die Linke) hat sich auch schon eingeschaltet und den Eigentümer persönlich um eine Lösung gebeten. Auf Anfrage des KURIER reagierte der Vermieter bislang nicht.
Hassan Qadri hofft immer noch auf ein gutes Ende. Er sagt: „Ich wünsche mir so sehr, dass ich einen Kompromiss mit unserem Vermieter finde. Ich muss doch nur noch fünf Jahre, bis zur Rente durchhalten.“
Am 15.12. um 15 Uhr gibt es eine kleine Kundgebung für den Erhalt des Ladens im und vor dem Geschäft.
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