Kairo - Banken, Villen und Geschäfte werden geplündert. Journalisten verprügelt, bis in Hotels verfolgt, ein Schwede von Geheimdienstlern verschleppt. Die TV-Übertragung aus Ägypten brach plötzlich ab. Will das Regime keine Zeugen, die Welt blind machen? Kairo versinkt in einem blutigen Strudel von Anarchie und Gewalt. Blut fließt. Zehn Tote soll es gegeben haben. Die Zahl der Verletzten geht in die Hunderte. Der Diktator schlägt zurück.Der Generalsekretär der Organisation Reporter ohne Grenzen, Jean-François Julliard: "Es geht dem Regime jetzt darum, Kairo von ausländischen Pressevertretern freizumachen." Dabei hatte es zunächst so ausgesehen, als entspannte sich die Lage ein wenig. Doch es war eine trügerische Ruhe, die über der nervösen Stadt lag. Plötzlich tauchten wieder Polizisten auf. Sie regelten den Verkehr. Flüssig gelangten so auch zahlreiche Busse mit den Schlägern Mubaraks ins Zentrum.Und die gingen schnell zur Sache, machten die Metropole zum Schlachtfeld. Auf dem Tahrir-Platz flogen wieder Steine auf die Demonstranten, die die Absetzung des Präsidenten fordern. Zeugen sahen, wie ein Ausländer auf offener Straße zu Tode geprügelt wurde. Nichts ist den Randalierern heilig. Sie stürmten ein SOS-Kinderdorf, verletzten den Direktor mit einem Messer. Im gesamten Zentrum flammten Kämpfe auf. Es gab regelrechte Feuergefechte. Die Armee versuchte zwischen den verfeindeten Seiten eine Pufferzone einzurichten. Aber die Soldaten ergriffen für keine Seite Partei. So gab es eine hin und her wogende Schlacht um den Platz. Regime-Gegner wurden vertrieben. Am Abend dann eroberten sie ihn zurück.Die Regimegegner bleiben hart, fordern weiter den Rücktritt des Präsidenten. Doch Mubarak weigert sich. Diktatur absurd: Der neue Premier Ahmed Shafiq entschuldigte sich für die Gewalt des Vortages. Gestoppt aber neue Ausschreitungen nicht. Dass auch er Mubaraks Rücktritt ablehnt, dürfte die Wut der Massen noch steigen. Am Abend beruhigte sich die Lage auf dem Tahrir-Platz.Doch es wird befürchtet, dass es heute zu weiteren Kämpfen kommt, denn die Mubarak-Gegner fordern weiter seinen Rücktritt. Und während das Land in einen Bürgerkrieg zu treiben droht, gibt sich Mubarak noch immer als Staatsmann. Der ABC-Reporterin Christiane Amanpour gelang es, zu ihm vorzudingen. Er schildert seine ganz eigene Sicht der Dinge. Er könne nicht zurücktreten, weil sein Land im Chaos versinken würde. Das Gespräch fand im Präsidentenpalast statt. Dort hat er sich hinter Soldaten, Panzern und Stacheldraht, mit der Familie und Beratern vor seinem Volk verschanzt. "Traurig" sei er: "Ich will nicht, dass Ägypter gegen Ägypter kämpfen." Er hat es in der Hand: Sein Rücktritt wäre alles, was dazu nötig ist. ------------------------------Zwischenzeile: MUBARAK VERSCHANZT SICH IM PRÄSIDENTENPALASTZwischenzeile: SCHLÄGER WURDEN MIT BUSSEN HERANGEKARRTBU: Straßenkämpfe in unmittelbarer Nachbarschaft zu Hotels. Der Mob drang auch bis dahin vor, verfolgte und schlug Ausländer.BU: Soldaten überwältigen einen Mubarak-Gefolgsmann, schaffen ihn weg.
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