„Wir bringen ein düsenbetriebenes Passagierflugzeug mit einigen hundert Personen an Bord zum Absturz“, kündigte Timo F. insgesamt 15 Fluggesellschaften an. Er wollte die Maschinen mit einem mit Sprengstoff beladenen Modellflugzeug in die Luft jagen. Dafür saß er vier Jahre. Anschließend schloss sich der als hoch intelligent eingeschätzte Kriminelle einer Betrügerbande an, die Angehörige Verstorbener mit Rechnungen über angebliche DNA-Tests um Millionen Euro erleichterten.
2008 jagten ihn bundesweit Zielfahnder. Nach einer TV-Fahndung wurde der Flüchtige 2009 gefasst. Timo F. sollte noch bis 2020 dafür brummen. Andreas R. hat eine so richtige Knast-Karriere hinter sich. Gut 30 Jahre saß der Flüchtige hinter Gittern – davon neun wegen Vergewaltigung. Fünf Mal bereits ist er schon aus dem Knast verschwunden, finanzierte seine Freiheit mit Raub, Diebstahl und Betrügereien.
Mai 2016 hätte er seine Strafen verbüßt. Experten halten Andreas R. jedoch für unbelehrbar. Der Versuch, ihn nach der Haft in die Sicherungsverwahrung zu schicken, scheiterte 2011. Diese beiden Männer lernten sich in der Redaktion der Knastzeitung „Lichtblick“ kennen, in der beide als Redakteure arbeiteten. Timo F. interviewte 2013 sogar Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) und Oberstaatsanwalt Ralph Knispel zu Vollzugslockerungen.
Ein Thema, mit dem sich auch Lichtblick-Kollege Andreas R. sehr hervortat. Er kam am 23. Juli nach einem unbegleiteten Ausgang nicht mehr in die JVA Tegel zurück. Es war bereits sein 18. Timo F. verschwand nur wenige Tage später am 31. Juli. Zu der Zeit hatte er sich beim Lichtblick bereits verabschiedet, um seine Doktorarbeit zu schreiben.
Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Männer ihr Verschwinden gemeinsam planten. F. ist dafür auf jeden Fall klug genug und R. besitzt jede Menge Erfahrung – als einer der Ausbrecherkönige der Tegeler Haftanstalt. Die Justiz dagegen sieht keinen Zusammenhang.
Dass Knackis Ausgänge zum Verschwinden nutzen, ist gang und gäbe in den Berliner Knästen. Allein vergangenes Jahr haben sich über 130 aus dem Staub gemacht, 80 davon beim Ausgang, zehn nutzen den Hafturlaub, vier beim Klinikbesuch, einer bei einem Außenjob und 46 liefen einfach aus dem offenen Vollzug davon. Zwei Häftlinge wählten den klassischen Ausbruch, das sind die beiden Typen, die im Juli 2014 über den Zaun der JVA Moabit kletterten.
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